Bitte verzeih meine Tränen

(Nach einer wahren Begebenheit…)

Bitte verzeih meine Tränen. 

Als ich Dich wieder sah und wieder die Schönheit und Klarheit Deiner Seele erkannte hinter diesem kleinen schüchternen Wesen, spürte ich sie wieder mit voller Wucht: Diese Sehnsucht, diese Einsamkeit, diese endlose Hoffnung Dich wieder zu sehen, bei Dir zu sein, einfach nur zu wissen, das Du da bist. 

Eigentlich kenne ich Dich kaum, und doch gibt es eine Verbindung die so tief geht, das die Trennung wie unvorstellbar ist – aber doch ist sie da. Du lebst dort in Deiner Welt und ich hier in meiner. Du stehst Deine Frau, hältst Deinen „Laden“ zusammen und gibst Dich härter als Du sein möchtest. Ich bewundere Deine Stärke, mit der Du Dich selber zwingst, jeden Tag aufs neue. Wie gerne würde ich all diese Fesseln lösen, Dir wenigstens einen kleinen Teil der Last abnehmen, mit starken Händen einen Raum schaffen, in dem Du auch einmal schwach sein darfst, alle Verantwortung loslassen kannst und einfach nur der Mensch sein kannst, der Du hinter all der Pflicht und Bereitschaft bist. Wie gerne würde ich das für Dich tun. 

Aber was wäre ich für ein Mann, wenn ich meine Verantwortung, meine Pflichten und meine Versprechen nicht halten würde. Wie könntest Du Dich je auf mich verlassen, mir vertrauen? Wie stark wären meine Arme wirklich, um Dich zu halten, Dich zu tragen, wenn ich nicht bereit bin, auch in „schlechten Zeiten“ meinen Mann zu stehen, wenn ich nicht bereit wäre auch gegen äußeren oder inneren Schmerz meine Pflicht über meine Wünsche zu stellen?

Das ist der Grund für meine Tränen: Das Schicksal will nicht, das ich mich Dir in Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit auch nur nähern kann. Sicherlich, eine kleine Affäre, ein paar verstohlene Küsse oder auch mehr – davon kann man träumen. Aber ist das wirklich Liebe oder doch nur die eigene Lust? Geht es dabei wirklich um das Du oder doch nur um die Befriedigung des eigenen Ich? Was ich spüre, für Dich empfinde, ist eine Liebe, die über meine Wünsche, meine Sehnsucht, ja sogar über mich selbst hinaus geht. Diese Liebe sieht Dich, erkennt Dich als die Erfüllung aller Wünsche. Und prüft mich gleichzeitig mit der Unerreichbarkeit. Würde ich einfach zu Dir gehen und Dich nehmen, es wäre ein wundervolles Vergnügen, und gleichzeitig das Ende all dessen, was für uns möglich wäre. Es ist das Vorrecht des Weiblichen, alle Grenzen zu überschreiten, sich dem Leben ganz hinzugeben und damit gegebenenfalls sich selbst zu opfern – für die Liebe und das Leben. Aber es ist die Pflicht des Männlichen, die Grenzen zu schützen und zu wahren, dafür alle Kraft einzusetzen und notfalls dafür das eigene Leben zu opfern – für die Liebe und das Leben. 

So halte ich meinen Abstand und verberge so gut es geht meinen Schmerz. Nur von Zeit zu Zeit sieht man Tränen in meinen Augen. Bitte verzeih meine Tränen, sie sind ein Ausdruck meiner Sehnsucht und meiner Hoffnung, daß das Schicksal seinen festen Griff irgendwann vielleicht doch löst. Und ich dann offen und wahrhaftig sagen und zeigen kann, wer Du für mich bist. Und, wenn das Schicksal gnädig mit mir ist, Du vielleicht antwortest. 

<Zurück / PDF-Datei

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s