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Gedanke: Fehler der Heilung

Jede Heilung hat eine Nebenwirkung: Den Verlust des Krankheitsgewinnes.

Manchmal können die Vorteile des Krankheitsgewinnes die Nachteile der Krankheit ausgleichen oder sogar überwiegen. Dann wird die Idee der Heilung zum kalten Ideal, das dem Patienten das bisschen Glück nimmt, das er noch hat.

Daraus ergibt sich die Frage: Was ist heil sein? (Was ist gesund sein?)

Oder anders gefragt: Was brauchen wir um glücklich und zufrieden zu sein, in dem Rahmen, der uns gegeben ist?

Das Weben

Es ist der Schmerz
Der uns zur Größe treibt 
Es ist der böse Scherz
Der unsere wahren Gefühle zeigt

Es ist das Brennen in der Nacht
Das uns rein wäscht 
Es ist der Schrei nach Liebe und Macht 
Der uns allein zurücklässt 

Es ist der Hass 
Der uns die Liebe zeigt 
Es ist der Prass 
Der uns zum Höchstem treibt 

Es ist die Sehnsucht 
Die an die anderen glaubt 
Es ist die innere Flucht 
Die die Mauern um unsere Herzen baut 

Es ist die Hoffnung 
Die uns Frieden schenkt 
Es ist die Schwäche 
Die unsere Geschicke lenkt 

Es ist die Angst 
Die uns vor sich her treibt 
Es ist das Vertrauen 
Das ewig in der Seele bleibt

Es ist der Glaube
Der uns aufsteigen lässt
Es ist die Liebe
Die uns durch die Ewigkeit trägt

Gedanke: Angst vor dem Tod

Nicht die Sterbenden haben die meiste Angst vor dem Tod. Sie haben keine Wahl über den Verlauf ihres zukünftigen Weges. Ein Weg, der sie in ein unbekanntes Land führt, über das es viele Berichte gibt, aber keine eindeutigen Karten. Wie bei ihrer Geburt entscheidet für sie das Leben über diese letzte Frage, und enthebt sie am Ende der Angst vor einer falschen Entscheidung.

Es sind jene, die zurückbleiben. Jene, welche selbst die Wahl treffen müssen, ob sie weiter ziehen, zurück ins Leben. Oder ob sie noch bleiben, bleiben an jenem Ort, an dem sie die Hand loslassen mussten, die ihnen jetzt fehlt, als wäre es ihre eigene. Jene, die nicht wissen, ob es nicht vielleicht doch noch eine Wahl gegeben hätte. Einen besseren Weg, eine bessere Entscheidung, oder ein noch größeres Opfer, welches sie hätten vielleicht aufbringen können oder müssen. Es ist die scheinbare Allmacht, über die wir hoffen zu verfügen, und mit der wir versuchen den Lauf der Dinge aufzuhalten, oder doch wenigstens nach unseren Vorstellungen zu ändern.

Dabei ist es doch gerade das Schwinden, das Vergessen, die Endlichkeit, die uns den Weg zurück in die Unschuld ebnet. All jenes, was den Geist befreit von seinen Erfahrungen des Schmerzes, der Angst und der Begrenzungen. Jene Erfahrung, die der Seele zeigt, dass selbst die Begrenzung nur begrenzt ist. Jene Lehre, die nur in diesem Schritt des Loslassens, des Aufgebens, der letzten, absoluten Hingabe an das, was ist, erlernt werden kann. Jener Schritt, der der letzte ist, und gleichzeitig der erste, den wir bei jedem Neubeginn machen: Der Schritt des Vertrauens, des bedingungslosen Glaubens, der mutigste Schritt, der all unsere Hoffnung, all unsere Liebe in sich vereint und damit das Leben selbst immer wieder aufs Neue hervorbringt. Jener große Wandel, dessen wir ein Teil sind, alle Zeit, ohne dass wir uns dafür entscheiden müssen. Denn dieser Wandel existiert, weil wir existieren.

Aufgaben

Du bist ein Mensch der sich bemüht
Der all seine Kraft verwendet
Mit seinem Tun Herzen berührt
Mit seinen Worten Trost spendet

Doch bitt‘ ich Dich
In Deinem Tun
Sei vorsichtig
Las auch mal ruh’n

Du bist bereit
Immer geben
Die ganze Zeit
Ganzes Leben

Doch auch Du musst nehmen
Du bist nicht unbegrenzt
Kraft für all Dein Streben
Wird auch wieder ersetzt

Aber nur, wenn Du bereit
Dich selbst als Mensch zu sehen
Nichts ist grenzenlos befreit
Nichts kann endlos bestehen

Nutze Deine Fähigkeiten
Auch für eigenes Befinden
Lasse Deine Tätigkeiten
Glück auch für Dich selber finden

Körper benötigt Nahrung
Die Dir wohl bekommt und schmeckt
Geist dagegen braucht Hoffnung
Auf Sinn und guten Effekt

Manche Aufgaben scheinen grenzenlos
Überschreiten leicht ein Menschenleben
Die eigene Kraft erscheint wie nutzlos
Sinnlos alles persönliche Streben

Bist nicht geschaffen
Selbst Gott zu spielen
Wirst nur erschaffen
Was Gottes Willen

Nimm Dir Zeit für Dich
Für kleine Freuden
Lass Dich nicht im Stich
Dir nützt kein Leiden

Aufgaben werden am besten erfüllt
Wenn angenommen aus freien Stücken
Nicht in Lügen und Ausreden gehüllt
Wollen nichts und niemanden verzücken

Aufgaben sind Pflichterfüllung
Sie lehren uns durchzuhalten
Zeigen tiefere Erfüllung
Wenn bereit sie zu entfalten

Kraft liegt in Beständigkeit
Hoffnung in der Tätigkeit
Glaube erschafft Möglichkeit
Und Liebe die Menschlichkeit

D’rum erkenne auch Dich als Mensch
Liebe Dich selbst, so wie Du bist
Noch immer Fehler macht der Mensch
Du bist geliebt, so wie Du bist

Schreite voran in kleinen Schritten
So gelingt die schwerste Aufgabe
Nimm Dir auch Zeit für gute Sitten
So wird Beharrlichkeit zur Gabe


Wir alle haben unsere Aufgaben, unsere Verantwortung und unsere Pflicht – mal selbst gewählt, mal aufgezwungen. Diese Aufgaben sind nicht selten wie ein Ideal: eigentlich nicht erfüllbar, ein Sisyphos-Felsen, den wir von unserem Herzen nicht herunterstoßen können oder wollen, an dem wir uns jeden Tag aufs neue messen.

Viele solche Aufgaben werden aber zu Lasten, die uns zu sehr niederdrücken, uns zweifeln lassen und manchmal auch deprimieren. Dann hilft nur eines: Auch mal „fünfe grade sein lassen“, etwas „sinnloses“ aber „schönes“ tun, sich an seinen eigenen Idealen versündigen (am besten aber auch nur an denen). Und nach dem „Urlaub“ einfach wieder zu seinem Felsen zurückkehren – aus Liebe oder auch nur aus Gewohnheit. Manchmal wird dann der Sinn der Schuffterei auch wieder sichtbar…