Zwei Schwerter

  • aus der Kampfkunst

Heute möchte ich Euch die zwei mächtigsten Waffen vorstellen, die ein Krieger besitzen kann: Es sind zwei Schwerter. 

Diese zwei Schwerter haben viele Namen, aber ihre bekanntesten sind „Grausam“ und „Gnadenlos“. Sie sind ein ungleiches Paar mit vielen Ähnlichkeiten und großen Unterschieden. Sie treten immer gemeinsam auf und erfüllen gegenseitig ihre Pflicht. Diese Schwerter haben keinen Griff. Man kann sie nicht mit den Händen führen. Und sie haben keine Scheide, die die Welt vor ihnen schützen könnte. Man lenkt sie nicht mit körperlichem Geschick und kann sie auch nicht mit seinem Willen zwingen. Man leitet sie durch Träumen: Man gibt ihnen ein Ziel und sie werden den Weg dorthin ebnen – ohne Unterschied auf Ansehen oder Kosten. Sie kennen weder Werte und noch Skrupel. Sie vernichten heilige Tempel und die schönsten Kunstwerke und lassen ein welkes Blümchen stehen. Sie töten eine Armee von Kriegern und verschonen einen einzelnen aus ihren Reihen. Sie dienen gemeinsam dem grausamsten Herrscher genauso wie einem unschuldigen Kind. 

Die Unterschiede zwischen beiden Schwertern hingegen sind interessant:

Das Schwert „Grausam“ ist die schärfste Klinge, die es gibt. Sie schneidet alles als wäre es Butter, gleich ob Stahl, Stein, Knochen oder Fleisch. Es ist glatt und glänzend wie reines Silber, und es wird niemals stumpf, gleich, was es zu teilen gilt. Feuer kann ihm nichts anhaben, genausowenig wie Eis es halten kann. Dieses Schwert ist schnell und wendig wie ein Geist, und tödlich wie ein Giftpfeil. Will man von ihm nicht vernichtet werden, muss man immer an seiner Seite bleiben – an seiner glatten Seite. Kommt man der Schneide zu nahe, wird man geschnitten, und man hat schneller einen Finger oder einen Arm verloren als man es auch nur merkt. Wenn der Schmerz kommt, ist das Schwert schon durch Haut, Fleisch und Knochen. Selbst wenn man vorsichtig ist, ist nicht selten bereits eine Pulsader offen, ohne dass man es spürt. Nur wenige haben den Umgang mit diesem Schwert überlebt. Bedenkt dies!

Nun zu dem zweiten Schwert:

Wer es schafft, dem ersten, dem Schwert „Grausam“ auszuweichen, wird von seinem großen Bruder, dem Schwert „Gnadenlos“, eingeholt. Dieses ist im Vergleich zu „Grausam“ langsam, fast träge. Außerdem ist es stumpf und matt – leicht könnte es mit einem länglichen Stein verwechselt werden. Aber es sollte niemals unterschätzt werden: Dieses Schwert birgt die Kraft und Energie eines schwarzen Lochs in sich. Und ein schwarzes Loch ist das einzige, was es mit diesem Schwert aufnehmen könnte. Die Gravitation treibt es voran. Und auch wenn es klein ist, kann es Sterne vernichten. Träge kommt es auf einen zu, aber ein normaler Krieger kann ihm nicht ausweichen. Völlig ohne Gnade geht dieses Schwert seinen Weg, dringt in den Körper ein und vernichtet alles Leben, bis nur noch fein gemahlener Staub übrig bleibt. Dieses Schwert lässt die Schreie des Feindes in der Unendlichkeit verstummen, und vernichtet alle Erinnerungen an große Siege mit einer einzigen, dafür absoluten Niederlage. Es hört kein Flehen und kein Klagen auf seinem Weg. Es kennt keine Furcht und keine Anmut. Der feindliche Krieger mag vor ihm davon laufen und sich sicher fühlen in seinem Versteck, doch dieses Schwert wird ihn einholen, denn es kennt keine Zeit. 

Der Adept, der diese Schwerter führen will, muss durch Himmel und Hölle gegangen sein. Er muss alle Angst und alle Hoffnung hinter sich gelassen haben – gleich ob freiwillig oder unfreiwillig. Er muß in der Lage sein, beide Schwerter gleichzeitig zu führen, und bereit sein, sich selbst im Dienst zu opfern. Wie unerschütterlich an der Seite seiner Werte muss er in seinem Glauben stark sein und darf niemals dem glänzenden Schwert „Gnadenlos“ von der Seite weichen. Gleichzeitig darf er niemals den Willen seines Schicksals infragestellen, genauso wie das Vertrauen in das Schwert „Gnadenlos“, welchem er sich dabei niemals in den Weg stellen darf, um nicht wie der Feind vernichtet und zermahlen zu werden. Ist die Entscheidung gefallen, werden diese Schwerter ihrem Herrn dienen – ohne Unterscheidung und ohne Gnade, und nötigenfalls auch gegen ihn selber. 

Und hierin liegt die Gefahr im Umgang mit diesen Waffen. Sie machen keinen Unterschied zwischen Freund und Feind. Und erst der Krieger, der ihre wahren Namen in sich gefunden hat, wird diese Schwerter kontrollieren können, ohne selbst von ihnen getötet zu werden – über kurz oder lang. 

Da Ihr nun in der Kunst des Kampfes bis hier gekommen seid und dies erfahren habt, möchte ich Euch noch den letzten Schlüssel zu diesen Schwertern geben: Ihre wahren Namen. Sobald Ihr sie erfahren habt, geht und meditiert solange über ihre Namen, bis Ihr das Schloss in Euch gefunden habt, zu dem diese Schlüssel passen. Denn dann seid Ihr unbesiegbar. 

Die wahren Namen dieser zwei Schwerter sind: „Glaube“ und „Vertrauen“

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