Ja, Nein, Vielleicht

Es war schon ein krass schräger Traum, Leute. Keine Ahnung was das sollte. Aber ich bin total verschwitzt aufgewacht, wie senkrecht im Bett. Und dieser fürchterliche Druck auf der Brust. Ich check das einfach nicht. Was soll denn sowas?

Okay, von vorne: Der Traum begann damit, das ich in einer richtig alten Schule sitze. So eine, in der an der Tafel noch mit Kreide gekratzt wurde. Kennt ihr das noch? Ist schon schräg, nicht? Also, ich sitze da so mitten in einem Klassenzimmer, vor mir die Bank, aber der Tisch ist leer. Und als ich mich umschaue ist das ganze Klassenzimmer leer. Nein, die Bänke und Stühle waren alle da, schön nach vorne zum Lehrerpult ausgerichtet, für Frontalunterricht und so, wie früher halt. Macht man doch heute gar nicht mehr. Aber niemand sonst im Raum, kein Lehrer, kein Schüler. Aber das hat mich auch irgendwie nicht weiter gestört, fühlte es sich ganz okay an. So lässt sich Schule doch aushalten, oder? Keine dummen Fragen, keine blöden Erklärungen, die sowieso keiner versteht, meist ja nicht mal der Heini da vorne selber.

Ich sitze also so da und denke daran, was ich nach dem Unterricht mache: Ein bisschen Crousen, ein Runde am Computer zocken oder doch lieber mit euch treffen, das ist doch eh immer am lustigsten, oder? Uns fällt schließlich immer irgendein Scheiß ein. Da wird mir wie aus dem Nichts von links ein kleiner Zettel zugeschoben. Im ersten Moment bin ich fürchterlich erschrocken. Naja, nicht wirklich, ihr wisst schon, alles cool. Aber es war schon irgendwie unheimlich, da war ja keiner, der Platz war leer. Okay, ich guck mir den Wisch also an und lese folgendes: „Willst Du mit mir gehen?“ Und unten drunter drei Checkboxen mit „Ja“, „Nein“, „Vielleicht“. Hey, Leute, wer schreibt heute noch so eine Anmache? Das ist doch total oldscool. Wenn dich eine Braut geil findet, kommt sie direkt oder fragt über WhatsApp wo man sich treffen will. Ich check die Chicks hier doch auch direkt ab, oder nicht? Hingehen, anquatschen und dann merkt man schon, ob was geht oder nicht. Wer sich das nicht traut soll doch sowieso lieber gleich zuhause bleiben, das sind doch eh alles nur Looser.

Ach so, ja, drunter stand noch „Dein Schicksal“. Was soll das denn bitte? Mein Schicksal? Das hab ich fest in meiner Hand. Da braucht mich keiner fragen, was ich damit will. Das überleg ich mir, wenn ich bock drauf habe. Da braucht mir keiner kommen und mich mit nerven. Meine Eltern nerven mich schon genug mit Fragen wie: >Was willst du denn jetzt machen?<, >Bald willst du doch auch eine eigene Wohnung haben< und lauter so Zeugs. Das geht mir manchmal so dermaßen auf den Sack. Und dann kommt da so eine kleine Fratze und schiebt mir diesen Wisch unter, oder was das auch immer war. 

Jedenfalls nervt mich dieser blöde Zettel. „Willst Du mit mir gehen?“ Wenn das ´ne geile Schnecke gewesen wäre hätte mir der Satz „I‘d give a fuck“ besser gefallen, grins. Hey, Leute, das wär doch mal ne coole Anmache. Da drückt man doch notfalls auch mal beide Augen zu, oder? Obwohl, bei Helene Fischer dann doch lieber beide Ohren, aber der Rest wär doch super. Irgendwie geile Idee, ja, aber die war es halt nicht. Da stand nur irgend so ein Scheiß. „Dein Schicksal“ Wer unterschreibt denn so? Klingt doch eher wie ein schlechter Scherz, oder? Wer nennt sich denn so? Ich würde höchstens meine Faust so nennen: Dein Schicksal! Na das klingt doch nach einem ordentlichen Versprechen. Aber wenn dann nur auf meiner Faust, nicht auf so einem blöden Zettel. Und dann noch diese komische Auswahl. Was soll das denn heißen? Ist das die ernste Frage, ob ich mit meinem Schicksal gehen will? Naja, wenn das ne schöne Braut ist? Warum nicht? Wenn sie mir gefällt! Sonst wieder ab in die Kiste und return to sender. Was sonst? Ich zahle doch keinen Schrott. Und man will sich ja auch sehen lassen, und das kostet nun mal. Oder vielleicht nicht?

Während ich also den Wisch so in Händen halte und ihn eigentlich schon zusammenknüllen und in die Ecke pfeffern will war da plötzlich eine Stimme und sagt: „Wie wärs? Entscheid Dich mal!“ Ich guck mich um, aber niemand da. „Wer ist da?“ frag ich so in den Raum. „Na, ich hab doch unterschrieben.“ Da bin ich langsam fuchsig geworden. „Was soll der Scheiß?“ frag ich zurück. Ich mein, ich kann mich doch nicht verarschen lassen, oder? Kommt aber keine Antwort. Ich frag also weiter: „Und was ist, wenn ich Nein ankreuze?“ „Ja, kannst Du machen. Wird interessant. Lass uns schauen, wie lange du das durchhältst.“ Langsam hat es mir den Schweiß auf die Stirn getrieben. Ich mein, schaut her, es ist keiner weit und breit zu sehen und trotzdem quatscht da so eine Stimme mit mir. Ist doch verständlich, wenn man da ein wenig Schiß kriegt, von wegen langsam ein bisschen plemplem und so.

Ich mach also einen auf cool und frage: „Wieso? Was wäre denn, wenn ich Nein sage?“ „Och, wenn Du glaubst, das du alles unter Kontrolle hast? Bitte. Du machst, was du willst. Ich mache, was ich will.“ Ich denk mir nur: Na also, ich mach was ich will und gut ist. Doch da kommt wieder diese blöde Stimme: „Probier es aus.“ „Kannst Du jetzt auch noch meine Gedanke lesen?“ schnauze ich los. Und da antwortet diese Stimme doch tatsächlich: „Na sicher. Ich bin ein Teil von dir. Ich weiß alles von dir. Wo ist das Problem?“ Langsam bin ich echt genervt und frage: „Was soll das heißen: Du bist ein Teil von mir? Wer bist du denn überhaupt?“ Und als Antwort kommt nur: „Na, komm, stell dich nicht so an. Ich habs dir sogar schriftlich gegeben. Und lesen kannst du.“ „Und warum sollte ich ein Nein nicht durchhalten?“ „Ganz einfach: Ich bin halt alles, was du erlebt hast, was du gerade durchmachst und was du noch so erleben wirst. Hat doch was, oder? Ich finds gut.“ „Und?“ frage ich zurück. „Naja, wenn du mich ablehnst, lehnst das ab, was du erlebst, was dich zu dem macht, was du bist. Und damit lehnst du dich selbst ab. Na, las gucken, wie lange du das durchhältst.“ Ey Leute, ich denk mir nur noch >Scheisse< da kommt prompt diese blöde Stimme: „Na komm schon, ist doch nicht so schlimm. Du kannst dich doch immer noch anders entscheiden, oder?“ 

In meinem Kopf geht nur noch: Krass, was soll das jetzt noch werden. Also frage ich langsam etwas gelangweilt: „Und was ist dann mit Vielleicht?“ Und prompt: „Oh, du tastest dich vorsichtig ran. Auch gut. Lässt dich also nicht so locker unterkriegen. Na, lass gucken, was das bringt.“ Ich denk mir nur: Hä, was soll das jetzt? Da kommt auch schon die Antwort: „Na, ist doch klar: Du weißt noch nicht, ob du dich auf das einlassen willst, was gerade passiert. Es passiert halt ohne dich. Okay, nicht wirklich: Du bist schon mit betroffen. Aber du checkst halt nichts. Und kriegst nicht mit, wie du gerade richtig schön zum Spielball wirst.“ Langsam geht mir diese Stimme so dermaßen auf den Keks, ich kann es euch gar nicht sagen. Doziert hier wie der letzte Oberlehrer über einen Scheiß, den ich gar nicht wissen will. Und wieder prompt: „Na, dann ist doch gut, wenn Du es nicht wissen willst. Du kriegst doch eh nichts mit. Vielleicht wäre das also deine Option. Scheibe ist halt nur, das dir damit trotzdem nichts erspart bleibt. Und du kannst dich noch nicht einmal beschweren: Du hast ja nicht Nein gesagt.“

Langsam bin ich völlig entnervt. Ich schnauze also wieder los: „Aber wenn ich nichts mitkriege, bin ich doch auch nicht betroffen!“ „Tja, wenn du meinst? Am besten testen sag ich da mal. Oder glaubst du wirklich, bloß weil du das Auto nicht gesehen hast wirst du nicht umgenietet, wenn es dich in voller Fahrt erwischt? Das letzte Unfallopfer wird dir wohl was anderes erzählen. Oder was meinst du?“ >Scheiße< war das einzige was da noch in meinem Kopf war. 

„Du meinst also, ich sollte mich auf dich einlassen?“ „Ich meine gar nichts. Ich biete dir nur etwas an.“ „Und was soll das sein?“ Langsam bin ich total resigniert. Diese blöde Stimme lässt mich einfach nicht in Ruhe. So bin ich also in mich zusammengesunken auf dieser blöden Schulbank gesessen und vor mir dieser saudumme Zettel, der mir die Ohren voll sülzt. Da geht dieses Geschwätz doch tatsächlich noch weiter:

„Hey, lass dich nicht hängen. Vielleicht checkst du’s ja endlich: Wenn du mich ablehnst, lehnst du dich selbst ab und verbaust dir alle Möglichkeiten, deine eigentlichen Fähigkeiten zu entdecken und zu nutzen. Wenn du mich lieber ignorierst, dir immer ein Hintertürchen offen hälst, einfach mal >vielleicht< sagst, werden alle Möglichkeiten an dir vorbei laufen. Morgen ist auch noch ein Tag, sicher, aber die Chance ist vorbei. So kannst du dein Leben schön vertrödeln. Wie wärs? Nimm dein Schicksal einfach mal an, nimm es in die Hand und mache das Beste aus dem, was du bist und hast. Das Leben bietet dir unendlich viele Möglichkeiten glücklich zu werden. Nur mußt du dich für eine entscheiden. Und wenn du dich entschieden hast, zieh’s durch. Mach Nägel mit Köpfen. Du wirst sie brauchen, wenn du das Haus deines Lebens bauen willst.“

Nach der Ansprache war ich erstmal völlig verwirrt. >Das Haus meines Lebens?< Was soll das nun wieder heissen? Ich wohn doch zuhause, oder was? Da kommt doch glatt der Kommentar: „Na, ob du’s nochmal kapierst?“ Und dann bin ich im Bett sitzend aufgewacht. Was für ein Scheiß, Leute…

<Zurück / PDF-Datei

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s