Der Fürst

Oh, wann lernt ihr es endlich? Wie oft habe ich es euch schon erklärt? Ich kann es schon nicht mehr zählen. Wieder kommt ihr zu mir und wollt nur wissen, wie ihr eure Macht und Sicherheit, euren Reichtum und Einfluß verbessern könnt.
Nun, ich kann euer Anliegen verstehen. Ich bin ja auch bereit, euch zu helfen. Aber warum wollt ihr immer abkürzen? Warum muß immer alles euch allein gehören? Warum könnt ihr nicht auch mal teilen?
Und wenn ich euch frage: „Was seid ihr bereit zu geben?“ Ich traue jedes mal meinen Ohren nicht. Ihr seid zu allem bereit. Alles wollt ihr geben für einen kaum kontrollierbaren Reflex, für ein Gefühl, das ihr euch mehr einbildet als das es von Tatsachen ausgefüllt wird.
So wie damals: Da kamen auch einige von euch und baten um Hilfe für den Erhalt ihrer Macht. In ihrer Angst waren sie schnell bereit eines ihrer Kinder zu opfern. Eines aus ihren eigenen Reihen. Wie leicht ihr doch bereit seid, euch selbst euren Ängsten zu opfern. Und gerade jener, der geopfert werden sollte, war einer der wenigen, die euch hätten zeigen können, wie ihr mit euren Ängsten sinnvoller hättet umgehen können. Er hatte wenigstens für sich erkannt, daß er zwar von euch ins Leben gebracht und auch wieder gerissen wurde, aber selbst tatsächlich das Kind des Lebens und des lebendigen Geistes war.
Ihr wisst das alles, und trotzdem haltet ihr eure Augen lieber geschlossen. Ihr hackt euch lieber die linke Hand ab, als loszulassen, was die rechte in ihrem Griff festhält. Mit dem gleichen Trick fangen afrikanische Ureinwohner schon seit langer Zeit Affen. Ich verstehe euch nicht. Wofür habt ihr denn euren Neokortex?
Ihr habt doch schon längst erkannt, wie ihr euren Fortschritt und eure Fähigkeiten voran bringt. In so vielen Bereichen habt ihr euch scheinbar selbst überholt. Aber nur wenn ihr glaubt, daß die neue Erkenntnis euch nicht aus der schützenden Dunkelheit eurer geschlossenen Augen reißt. Nur dann seid ihr bereit, eine neue Erkenntnis zu akzeptieren. Ganz gleich, wie sehr ihr im gleißenden Licht der Erkenntnis badet. Und am Ende dreht es sich immer nur um Erkenntnis.
Aber gut, ich weiß nicht, wie ich mich in eurer Situation verhalten würde. So will ich es euch nochmal erzählen:
Es gibt fünf Hauptebenen der Gesetze, denen ihr unterliegt. Ich mache diese Einteilung, damit ihr die Ebenen und ihre Zugehörigkeiten besser erkennen könnt. Denn wenn ihr wisst, zu welcher Ebene ein Problem gehört, desto leichter findet ihr die Lösung und könnt euch selber helfen.
Die erste Ebene sind die Gesetze der Materie und ihrer Energie. Ihr nennt diese Ebene auch gerne Physik oder Naturwissenschaft oder auch Naturgesetze.
Die zweite Ebene sind die Gesetze der Biologie. Es sind die Regeln, nach denen lebendige Körper funktionieren und existieren können. Lebendige Körper machen sich die Gesetze der Materie zu Nutze und wenden sie geschickt an.
Die dritte Ebene sind die Gesetze der Psyche. Dort, wo ihr das erste mal Geist erkennt, wird die kreative Interaktion der Individuen über Symbole sichtbar. Die Ebene, auf der die meisten von euch stehen, oder es zumindest glauben.
Die vierte Ebene sind die Gesetze der Ethik und der Moral. Ihr verortet oft die Seele als persönlich symbolische Repräsentanz für diese Ebene. Eine „reine“ Seele, wie ihr es nennt, kennt diese Gesetze und hält sich aus eigener Intention daran.
Die fünfte und alle vorherigen Gesetze umfangende Ebene sind die Gesetze der Entwicklung. Sie umfassen die Kräfte, die Materie zu lebenden Körpern formt genauso, wie euern unbewussten Drang, neue Wege zu finden, wie ihr in scheinbar toten Raum euer geistiges und physisches Leben bringen könnt. Einige von euch nennen diese Ebene den „großen Geist“ oder sogar auch Gott in einem seiner vielen Namen.
Aber vergesst nicht, die Ebenen und ihre Gesetze bauen aufeinander auf. Kein Gesetz kann einfach ausgehebelt werden. Die jeweils nächste Ebene ermöglicht nur ein besseres Verständnis und damit eine bessere Anwendung der bereits bekannten Gesetze. Es ist dann bewusst möglich, was vorher dem Zufall unterlag. Es ist also von eurem Bewusstsein abhängig, was ihr tun und erreichen könnt oder ob ihr doch nur dem Schicksal ausgeliefert seid.
Und seit vorsichtig, wenn ihr wieder neues probiert. Ihr steht an der Spitze, ganz oben. Alles was unter euch wackelt lässt euch mit erzittern. Genauso, wie es mit eurer Nahrung ist. Egal, was ihr vergiftet, ob das Wasser, den Boden, die Pflanzen oder die Tiere, ihr steht am Ende der Nahrungskette. Ihr vergiftet euch mit. Es mag seine Zeit brauchen, und ihr habt es lang vergessen, aber wenn ihr in oder durch eure Kinder weiterleben wollt, achtet darauf, das ihre Möglichkeiten nicht zu sehr durch eure heutige Maßlosigkeit beschnitten werden. Es wird ihre Aufgabe sein, das Beste aus eurem Erbe zu machen. Und die Verantwortung für die Folgen eures Handelns könnt nur ihr übernehmen und nur heute. Für eure Kinder ist ihre Situation von euch vorgegeben. Sie tragen weder Schuld noch Verantwortung. Sie müssen nur die Suppe auslöffeln, die ihr gekocht habt.
Und wenn wir schon bei Gesetzen sind, last mich auch nochmal eure eigenen menschengemachten anschauen. Die, über die ihr so gerne streitet. Die, die euch nicht passen, wenn sie euch beschränken, und auf die ihr pocht, wenn sie euch dienlich sind. Eigentlich sind es keine Gesetze, wie die vorhin genannten. Es sind von euch erdachte Regeln für ein Zusammenleben. Sie sagen nur, in welcher Weise ihr folgen sollt. Sie sind nur Erweiterungen eurer Angst, nur Versprechen, die eingehalten werden oder auch nicht. Es sind erdachte Linien, die eure Führer um sich und zwischen euch ziehen, wie Markierungen auf den Straßen. Die daraus gewachsenen Mauern sind nur in euren Köpfen. Das ihr sie nicht überwinden könnt, habt ihr gelernt. Die wahre Macht über euch gebt ihr also freiwillig aus der Hand. Überwindet eure Angst, und es gibt keine Grenzen mehr, außer die von Gott gegebenen. Die Grenzen, die ich vorhin beschrieben habe, sie sind die einzig tatsächlichen Grenzen. Und selbst diese haben noch so viel Spielraum wie der Abstand zwischen einem Atomkern und seinen Elektronen. Aber das beginnt ihr gerade erst zu erkennen.
Und auch hier, seid vorsichtig. Auch eure selbst erdachten Grenzen haben Sinn und Aufgabe. Erst wenn ihr die Folgen eures Handelns weit genug erkennen und abschätzen könnt, könnt ihr auch das Hilfsgerüst eurer Gesetze hinter euch lassen. Erst wenn ihr erkennt, wie alles Handeln zu euch zurück kommt, könnt ihr die Sproßen aus Geboten und Verboten der Leiter des Sinns loslassen und euch wirklich frei bewegen. Ohne dieses Wissen werdet ihr durch die Strömungen des Lebens an den Felsen der Naturgesetze schneller zerschellen, als ihr es euch vorstellen könnt. Ihr wäret zurückgeworfen auf die Ebene von kleinen, fliegenden Insekten, die von Schwalben im Flug gefressen werden, ohne das sie auch nur wissen, wie ihnen geschieht.
Es ist wie mit den drei Ebenen, die von manchen von euch „das Gute, das Schöne und das Wahre“ genannt werden. In meinem Beispiel repräsentieren sie den Sinn gemeinsamer Vereinbarungen. Die von mir gedachte Interpretation dieser Worte beschreibt, wie ihr einer Krankheit begegnen könnt.
Habt ihr vielleicht nur eine leichte Erkältung, könnt ihr euch eine Decke nehmen und euch irgendwo bequem niederlassen. Die Decke wärmt euch, vermittelt euch ein angenehmes Gefühl und der Körper kann sich in aller Ruhe selbst heilen. Eine schöne Möglichkeit, eine leichte Unpässlichkeit zu überstehen. Das ist die Ebene des Schönen. Sie ist hilfreich und notwendig, wie alles, aber nur bei kleineren Problemen, die der Körper leicht alleine bewältigen kann. Bis hier braucht ihr in der Regel noch keine Übereinkünfte mit anderen.
Solltet ihr aber eine schwerere Erkrankung haben, eine, die euch soviel Kraft kostet, das ihr euch eine Zeit lang nicht mehr alleine versorgen könnt, braucht ihr Freunde oder Familie. Und diese Menschen müssen zu euch stehen, sich mit euch verbunden fühlen, und sie müssen bereit sein, von sich selbst abzusehen und einen Teil ihrer Kraft für euch aufzuwenden. Wenn sie euch dann versorgen, reicht eure Kraft, und ihr könnt wieder genesen, weil ihr mit dem wichtigsten unterstützt und umsorgt werdet. Das ist die Ebene des Guten, in der andere aus Gemeinschaftsgefühl auch für euch gutes tun. Und das werden sie in der Regel nur tun, wenn es gemeinsame Werte gibt, gemeinsame Ziele und gemeinsame Grenzen. Wer diese gemeinsamen Regeln bricht, zeigt damit, das er die anderen nicht braucht. Wehe dem, der dann nicht stark genug ist.
Wenn ihr aber eine schwere Krankheit habt, eine, die nur mit einer großen Operation geheilt werden kann, braucht ihr eine Gesellschaft, mit all ihren Regeln und Gesetzen. Eine große Gemeinschaft, in der die Arbeit und die Möglichkeiten so unterschiedlich verteilt werden, das einzelne von ihren Pflichten durch andere befreit werden. Das einzelne die Chance bekommen, sich mit all ihrer Kraft und all ihren Fähigkeiten für sehr lange Zeit nur der Erforschung des Körpers zu widmen und sich nicht mehr um die grundlegenden Bedürfnissbefriedigungen wie Essen und Kleidung selber kümmern zu müssen. Einzelne, die die Chance bekommen, sich ihr Essen kochen zu lassen und sich ihre Wäsche richten zu lassen, damit sie für die nächsten Generationen herausfinden können, wie der Körper funktioniert und wie man einzelne Krankheiten operativ korrigieren kann. Ist dieses Wissen durch den Einsatz aller gefunden, könnt ihr schließlich geheilt werden. Dies ist die Ebene der Wahrheit. Eine Wahrheit, die für alle gilt und allen nützt. Und es können dabei nicht alle gleich sein. Es muß diejenigen geben, die das Essen kochen, und diejenigen, die in der Medizin forschen und arbeiten. Dann können am Ende beide, die Köche und die Ärzte, geheilt werden können. Und damit eine solche Entwicklung möglich ist, habt ihr eure eigenen Regeln. Die, die euch, die ihr hier vor mir steht, bereits so viel Macht gegeben haben, das ihr Angst habt, sie wieder zu verlieren.
Die Natur interessiert sich dafür nicht. Weder für euch noch für eure Gesetze. Für diese Spiele hat sie keine besonderen Naturgesetze. Die Natur interessiert sich auch nicht für euch als Einzelwesen. Sie überläßt die Ausgestaltung dieser Freiräume euch. Und dann kommt ihr damit zu mir und fragt, was ihr tun sollt? Kommt ihr mit soviel Freiheit nicht zurecht? Nun, ich kann euch nicht sagen, was ihr tun sollt. Ihr macht sowieso, was ihr glaubt, was euch die Angst am besten nimmt. Dem einen hilft es, gibt es gefühlte Sicherheit, für den anderen ist es Wahnsinn. Aber habt keine Angst vor eurem Wahnsinn. Wie das Wort selbst trägt jeder Wahnsinn einen Sinn in sich, eine Güte, die man meist erst auf den zweiten Blick erkennt und die manchmal viel Zeit zum reifen braucht.
Und nun geht. Geht und sucht die Güte in eurer Verzweiflung. Das Licht in eurer Dunkelheit. Und wenn ihr es gefunden habt, werdet ihr wissen, wovon ich gesprochen habe. Aber ihr kommt sowieso schon vorher wieder und ruft nach mir.

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