Stille

Manchmal wünschte ich, ich wäre dumm
Ich käme nicht auf all die Fragen
Manchmal wünschte ich, ich wäre stumm
Ich könnte auch nicht soviel sagen

Das Leben wär‘ vielleicht nicht leichter
Und die Gesundheit auch nicht besser
Aber mein Wissen wäre seichter
Und meine Überzeugung fester

Manchmal wünschte ich, mir wär‘ nicht bewusst
Wie es sich anfühlt, ganz allein zu sein
Manchmal wünschte ich, ich hätt‘ nicht gewusst
Was es bedeutet, auch gemein zu sein

Meine Freunde wär’n vielleicht nicht netter
Die Familie dadurch auch nicht reicher
Aber in der Kneipe ging’s mir besser
Meine Sorgen wären soviel leichter

Manchmal wünschte ich, ich wüsste nicht
Wie schwer die Liebe ist zu tragen
Manchmal wünschte ich, ich wüsste nicht
Wie schwer die Liebe ist zu wagen

Ich könnte so leicht durch’s Leben gehen
Kein schwerer Gedanke würde drücken
Hier doch nur ein schönes Blümchen sehen
Dort vielleicht ein’s für mein Bettchen pflücken

Den argen Schmerz, den ich and’ren mache
Ich würd‘ ihn noch nicht einmal bemerken
Den bösen Scherz, über den ich lache
And’re würden ihn auch noch bestärken

Aber ich weiß um all dies
So strauchel ich auf Erden
So ist der Preis für all dies
Vom Leben bis zum Sterben

Nur eine tiefe Hoffnung bleibt
Auf einen unbekannten Sinn
Der mich schon lang im Leben treibt
Von Anbeginn zu Anbeginn

Denn ohne diesen festen Glauben
Wär‘ mein Leben nur sinnlos und leer
Als würd‘ ich nur ungläubig staunen
Über eine allzu schlechte Mär

Daher sage ich im Glauben stark
„Soll nur kommen, was da kommen will!
Ich bin es, der’s zu schaffen vermag!
Klarheit im Herzen, im Geiste still!“


Zweifel – ein ewiger Begleiter der Erkenntnis. „Habe ich es richtig verstanden? Habe ich es richtig erkannt? Habe ich die richtig gehandelt?“ Auch die größten Bemühungen, alles richtig zu machen können in Katastrophen enden. Und zurück bleibt der ewige Zweifel: Was habe ich falsch gemacht.

Aber wir sind nicht der Schöpfer dieser Welt. Wir können nur mithelfen, sie zu gestalten. Mit kleinen Schritten können wir Veränderungen anstoßen und hoffen, das aus unseren Taten irgendwann ein Segen wächst. So ist der Glaube an die Möglichkeit genauso wichtig, wie die Tat selbst.

Wer einmal den Weg der Erkenntnis eingeschlagen hat, wird ihn weiter gehen müssen, bis er irgendwann erkennt, wo die letzten Grenzen liegen: Im Auge des Sturms wird es still.

^Gedichte

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