Raum und Zeit

Zeit, sie schreitet so schnell
Und hält doch an so lang
Ihr Leuchten ist so hell
Man alles sehen kann

Selbst neu geboren, alles Unbekannt
Neues Licht, neue Farben, neuer Glanz
Nichts was ich kenne, jeder Blick gebannt
Wie ein großer Reigen, ein wilder Tanz

Jeder Eindruck ist so stark
Jedes Bild geht tief ins Herz
Neu jeder Schritt den ich wag
Höchste Freude, tiefster Schmerz

Alles probiere ich aus
Lasse mich auf alles ein
Viele neue Türen raus
Viele neue Wege rein

Langsam lerne ich erkennen
Was der Weg für mich bedeutet
Lerne ohne Rast und Rennen
Wann die Glocke für mich läutet

Doch davon will ich jetzt noch nichts wissen
Will noch träumen, spielen und probieren
Will die Fehler und das Glück nicht missen
Die das Schöne in der Welt doch zieren

Nach und nach beginne ich
Reichtümer zu ergreifen
Nach und nach befinde ich
Mein Leben schwer im seichten

Noch immer glaube ich
Der Dinge hohen Wert
Noch immer klammer ich
Was alles so begehrt

Doch Zeit schreitet unaufhaltsam weiter
Ohne Fleiß, ohne Ruh, ohne Gnade
Sie ist nicht traurig, sie ist nicht heiter
Wie sie gab, so nimmt sie jede Gabe

Die Hände werden langsam schwach
Glieder werden schwer und müde
Der Geist wird unter Mühen wach
Lange hält sie nicht, die Lüge

Mit einem letzten aufbäumen noch
Wehr‘ ich mich gegen das Erkennen
Wie ein riesengroßes schwarzes Loch
Spüre im Ende mein Beklemmen

Immer gegen die Wahrheit verwehrt
Nach Beweis für die Lüge gesucht
Immer nur meinem Traum aufbegehrt
Alles an Gott und der Welt verflucht

Nun geht der besinnungslose Traum
Bleib‘ zurück in meinem Unverstand
Will der Liebe glänzend Licht nicht schau’n
Dabei kenn‘ ich doch der Welten Rand

Zum Anbeginn meiner Zeit
Bin ich von dort gekommen
Frei von allem Hass, Gier, Neid
Hab mein Leben bekommen

Nun traue ich nicht
Auch nur zu sehen
Mein eigenes Licht
Angstvolles flehen

An wen soll ich mich wenden
War mir doch stets selbst mein Gott
Wohin Gebete senden
All mein Glaube ist nun fort

Des Lebens tieferen Sinn
Wollte ich niemals wissen
Allzeit Macht und Geld im Sinn
Sinnesfreude nicht missen

Nun liege ich hier
Augen geschlossen
Wo bin ich bloß hier
Der Leiter Sprossen?

Nach oben? Nach unten?
Wohin geht nun mein Weg?
Auf die Erde gründen?
Oder weit von ihr weg?

Wonach soll ich mich nun richten?
Was will meine Seele wärmen?
Erinnern kann ich mitnichten
In all dem Licht und dem Lärmen

Kein Verstand kann hier helfen
Aller Reichtum ist hier fort
Ein Gefühl will sich melden
Wenig kann ich sehen dort

Bin sanfte Gefühle nicht gewohnt
Habe selbst immer laut nur getönt
Habe die Welt schnell und rau bewohnt
Immer von meinem Ego verwöhnt

Mühsam werde ich langsam
Halte die Stille kaum aus
Fühle unendlich einsam
Will aus meinem Innern raus

Aber es gibt kein Außen mehr
Beginne zu erkennen dort
Das unendliche Leben hier
Und schicke es noch immer fort

Die Angst ist überwältigend
Wage nicht, Liebe zu nehmen
Versuche zu bewältigen
Mein eigentliches Vergehen

Die Furcht vor Ignoranz
Gleichgültig am Leben
Welch ein grausamer Tanz
Lässt mein Herz erbeben

So habe ich gelebt
So glaube ich noch jetzt
Das ist, was mir zusteht
In Angst und Schreck versetzt

Und doch! Das Leben ist noch immer da
Es lässt sich von mir so leicht nicht schrecken
Überall um mich! So freudig und nah
Als wollte es etwas in mir wecken

Der Welten Raum ist riesengroß
Liebe an sich unbeirrbar
Erkenne mich in Gottes Schoß
Seine Liebe – ist wirklich wahr

Wie ein Schreck durchfährt es mich
Er war immer für mich da
Und auch jetzt – da trägt er mich
Kann’s kaum glauben – nehm‘ es wahr

Der Geist und ich sind eins
So spüre ich! So weiß ich!
Wie die Welt ich seh wird meins
Wie ich glaub‘ erschaffe ich!

Ich kann frei wählen
Kann hin zur Einheit
Kann Vielheit zählen
Gefühlte Freiheit

In der Einheit wohnt der große Geist
Allumfassend, friedlich, körperlos
In der Vielheit wird Natur bereist
Erfahrungen, Freud und Leid ihr Los

Zeit und Raum gibt es nur im Körper
Grenzenlos schauen am Rand zum Geist
Dieser Übergang bringt uns näher
An das, was Gott jedem von uns heißt

Das Leben in der Welt
Gottes große Gabe
Ist das, was uns erhält
Liebe – seine Gnade

So wie es steht geschrieben
Seine Güte – grenzenlos
Ich hab mich selbst vertrieben
Kein Trauen, kein lassen los

So hänge ich an meiner Leiter
Weiß nicht wohin, ob rauf, ob runter
Mein Geist wird mit Erkennen leichter
Lasse los – falle nicht hinunter

Das Falsch und das Richtig
Lösen sich langsam auf
Bewertung wird nichtig
Liebe baut alles auf

Vertraue so dem Schicksal
Es weiß, was als nächstes kommt
Ob Glück, Freude oder Qual
Liebe in allem was kommt

^Gedichte / PDF-Datei

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