Der Kelch

Wie kannst Du jetzt noch lächeln?
Wie nach alldem sie mögen?
Wie doch immer noch helfen?
Wie sie immer noch lieben?

Sie haben Dich betrogen!
Haben alles genommen
Sie haben Dich belogen!
Dein Blut für sie zerronnen

Sie tun es noch heute
Bewerfen Dich mit Dreck
Tun es ohne reue
Für den eigenen Zweck

Sie kennen keine Scham
Gestehen keine Schuld
Mich erfüllt es mit Gram
Voll Wut und Ungeduld

Ich will sie schlagen
Will sie vernichten
Zu Grabe tragen
Sonst nichts berichten

Meine Wut kocht heiß
Meine Rache brennt
Ich bin es, der weiß
Wie man Dich benennt

Warum soll ich innehalten
Wofür noch soll ich sie schonen
Warum kein Gericht abhalten
Läßt sie immer bei Dir wohnen?

Ich verstehe nicht Deinen Sinn
Ich begreife nicht Dein Handeln
Weil ich einer von jenen bin?
Soll ich unter jenen wandeln?

Sie versuchten Dich zu töten
Nun will ich’s ihnen vergelten!
Erzählst mir von ihren Nöten
Es gibt Gesetze die gelten!

Du stimmst mir darin zu
Hab Dich recht verstanden!
Doch läßt mir keine Ruh
Nichts mehr zu begleichen?

Warum nimmst Du alles auf Dich?
Sprichst sie von allem restlos frei
Rache trifft am Ende nur mich?
Ihr Tod am Schluß der meine sei?

Du sagst, ich kann nicht sehen
Was ich zu rechtschaffen will?
Ich kann noch nicht verstehen
Mein eigen Schmach und Unbill?

Wenn ich ihren Fehler tilge
Von uns’rer Erde Angesicht
Bekehre ich nur das Wilde
Meine Taten – Dein Angesicht!

Versuchst mich zu halten von der Tat
Willst mir zeigen den tieferen Sinn
Damit ich keine Schuld auf mich lad
Weil ich noch immer blind dafür bin?

Du liebst sie, wie sie sind
Ob arm, ob reich, ob dumm
Als Tier, als Mensch, als Kind
Doch warum bleibst Du stumm?

Sie würden auf Dich hören!
Dich noch himmelhoch preisen!
Nichts Schlechtes mehr beschwören
Friedlich durch’s Leben reisen

Du sprichst zu ihnen jeden Tag?
In Geduld und ewigem Mut
Kann Dich hören jeder der mag?
Jeder der bändigt seine Wut

Du musst sie gehen lassen
Allein den eigenen Weg
Kannst nur lieben, nicht hassen
Sind allein auf schmalem Steg

Warum willst Du nicht zwingen?
Wäre ein leichtes für Dich
Auf den rechten Weg bringen
Was unmöglich scheint für mich

Ich kann nur beenden
Was Du hast begonnen
Ich kann nicht erhalten
Alles scheint zerronnen

Ich muß setzen harte Grenzen
Kann mich anders nicht entscheiden
Doch mich selbst soweit begrenzen?
Wie soll ich soviel erleiden?

Aber es muß doch Grenzen geben
Die Natur hat sie doch auch gesetzt
Wir müssen selbst Gesetze geben
Ist uns ein höheres Ziel gesetzt

Du meinst – nur mir selbst?
Und nicht der Natur?
Beherrschung im Selbst
Ist unser Ziel pur?

Wurden gelehrt in sanftem Ton
„Macht Euch die Erde Untertan“
Voll Größenwahn und blankem Hohn
Streben sie in den Untergang!

Ich versuche nur zu schützen
Was uns allen ward gegeben
Was soll es denn sonst nur nützen
Wenn wir nicht nach Erhalt streben

Auch ich will versuchen
Ein guter Herr zu sein
Höheren Sinn suchen
Wer ich vielleicht kann sein

Nach ihrem Leben trachtend
Bin ich kein guter Richter
Für alles Leben wachend
Wird mein Sinn deutlich sichtbar

Woran soll ich denn glauben
Wenn ich selber nicht schütze
Wenn ich selber nur raube
Mich mit fremden Gut brüste

Wenn ich selbst Blut nehme
Ist mein Glaube blutig
Wenn ich mein Blut gebe
Bin ich wirklich mutig

Will versuchen zu sein wie Du
Durch mich zu zeigen, wer Du bist
Im Glauben an sie rein – wie Du
Solange sie währt, meine Frist

So will auch ich vergeben
Was sie an Dir tun wollen
Werde den Kelch annehmen
Den sie mir reichen wollen

Werde trinken in vertrauen auf Dich
Werde alles geben, was Du mir gabst
Bin bereit alles zu nehmen auf mich
So wie Du es mir jetzt und immer sagst

So kann ich glauben an Deine Macht
Vertrauen in ewige Güte
So bin ich erfüllt von Deiner Kraft
So kann ich werden Deine Blüte

So wird gesät Dein Samen
Immer und immer wieder
Sie finden Deinen Namen
In allen Opfern wieder

Nur so können sie erkennen
Den Weg zu Dir und zu sich selbst
Bis sie in sich selbst benennen
Du bist bereits in jedem Selbst

^Gedichte / PDF-Datei

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