Das Ideal

Die Augen so groß
Das Herz noch so klein
Was sieht und hört es bloß
Im Lichte schein

Der Eifer der Erwachsenen
Es versteht ihn nicht
Was ist denn mit den anderen?
Wer ist jetzt Held – wer Wicht?

Es gibt einen Unterschied
Zwischen Gut und Schlecht
Wie das eine vom ander‘n schied
Zeigt Grausamkeit und Recht

„Zu lieben ist, was dazu gehört
Zu hassen all die anderen“
Es hat es wohl gehört
Doch hat es auch verstanden?

So wächst es heran
Mit Freud‘ und Spiel
Probiert seinen Drang
Was manchem missfiel

„Sie müssen ihrem Kind das sagen!
Sonst wird‘s nicht recht.“
Was soll es nun noch wagen?
Sind den alle Wünsche schlecht?

So lernt es zu unterscheiden
Zwischen gut und böse
Bald wird es sich auch dran weiden
Zu verteidigen Gut mit Böse

Mit Schlägen wurde ihm gebläut
„Du sollst nicht schlagen!“
Jeder Schwächere nun bereut
Wenn er zu viel will wagen

Mit der Zeit kommt Reife
Und der Wunsch nach Macht
Damit das Menschenkind begreife
Worauf es sollte sein bedacht

Hält es sich an Regeln
So ist es wohl gelitten
Nur bei den Flegeln
Wird ständig gestritten

Es selbst weiß sich einzufügen
Weiß, wo sein Platz bestimmt
Will allen Ansprüchen genügen
Scheitel, Kragen, Schuhe sind getrimmt

Es erträgt geduldig
Jede Schmach des Vorgesetzten
Nur das Ideal ist wichtig
Nichts sonst könnt’ es verletzen

Dann kommt die Chance
Manche machen Fehler
Ein Scharmützel in die Flanke
Aufstieg geht noch schneller

So lernt das Menschenkind
„Ein hartes Gerüst ist wichtig!“
Erfolg wächst daran geschwind
Alles andere ist nichtig

Denn wer einen Fehler macht
Wird dem Ideal nicht gerecht
Nur Perfektion ist Pracht
Unzulänglichkeit? Eher schlecht

„An der Spitze bist Du einsam“
So hat es vernommen
Wer zu viel Rücksicht nahm
Ist nicht weit gekommen

—-

Viel hat es erreicht
Das Menschenkind
Mancher ist erbleicht
Rief nur „Menschenskind?!“

Stolz blickt es herab
Auf die stillen Augen
Aus so manchem Garb
„Du wolltest auch nicht glauben.“

Doch jedes Menschenkind
Reift nicht nur, es wird auch älter
Jeder geht, wo viele schon sind
Der eine früher, der andere später

Stärke geht
Schwäche kommt
Das Ideal befiehlt
Die Reaktion – prompt

Es konnte das Ideal nicht halten
Die Kraft reichte nicht mehr
Das nächste Kind kam zu spalten
Das Kranke vom gesunden Heer

Kein Opfer, kein Täter
Die Handlung war richtig
Vergessen nicht viel später
Was nach Ideal nicht wichtig

^Gedichte / PDF-Datei

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