Der Beweis

Als ich Gott fragte
Nach letztem Beweis
Und er nur lachte:
„Na komm. Lass den Scheiss.“

Da Blickte ich ihn böse an
Wie kann ich ihm denn je vertrau’n
„Komm‘ ich denn niemals an dich ran?“
„Reicht es nicht, das du mich kannst schau’n?“

„Nein, das reicht mir lange nicht!“
„Willst du denn einen Vertrag?“
„Den ich lesen kann bei Licht?“
„Okay, wenn ich es dir sag?“

So setzt er einen auf
„Ich will alles geben“
Und setzt noch einen drauf
„Was willst du dir nehmen?“

„Allein alles soll als Beweis reichen“
Schließlich will ich ihn binden an sein Wort
„Gut. So wird die Welt nur für dich reifen“
Er setzt sein Zeichen d’runter und ist fort

Ich blick‘ mich um und seh erstaunt
Alles wirft sich vor mir nieder
Die Welt ist nur für mich erbaut
Doch wo find‘ ich Gott jetzt wieder?

In allen Dingen, in allen Zeichen
Nirgends konnte ich ihn noch erkennen
Als wollte er mir mit Absicht weichen
Nirgends konnte ich ihn noch abtrennen

Da erkannte ich meinen Fehler
Vielleicht wollte ich immer zu viel
Die anderen sind auch nicht heller
Vielleicht bemerken sie nicht das Spiel

Ich kann ihnen immer noch erzählen
„Ich kann Gott sehen, jetzt und überall“
Und wenn sie mich dann doch einmal fragen
Dann brauch ich nicht lügen mit Rauch und Schall

Er gab mir sein Zeichen
Und ich hab’s genommen
Nun muß ich es wahren
Hab’s dafür bekommen

Sein Beweis ist alles was ist
Kein Spalt ist mehr leer geblieben
Kein Unterschied noch übrig ist
Nur sein Vertrag ist geblieben

Eingebrannt in meinem Inner’n
Muß und kann ich nur noch glauben
Suche verloren in Bildern
Was mir niemand mehr kann rauben

PDF-Datei

Wir suchen nach Begründung, nach Sinn und Eindeutigkeit – aber immer nur in der trügerischen Sicherheit wissenschaftlicher Beweisführung. Aber was wissen wir wirklich mehr als ein paar kausale Zusammenhänge von „diese Ursache“ erzeugt „jene Wirkung“?

Sinn, Wert und das Leben selbst können wir so nicht erfassen. Wir sind weiterhin den Strömungen des Lebens ausgeliefert. Vielleicht haben wir es geschafft, an das Bot, das unser Leben ist, ein Ruder und einen Motor zu bauen. Aber wenn die Wellen zu hoch werden ist auch das größte und stärkste Schiff wieder nur eine Nussschale in den Gezeiten – und wir sind wieder auf unseren Glauben und unser Vertrauen auf einen tieferen Sinn angewiesen. Auch wenn wir ihn nicht kennen und vielleicht noch nicht einmal verstehen können.

^Gedichte

2 Kommentare zu „Der Beweis“

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