Brötchenoptik

Für sich braucht sie es lange nicht mehr
Aber es gehört zu ihrem Job
Heute ist es Gewohnheit vielmehr
Zu Beginn war es für sie nur grob

Dann lernte sie Gefallen daran
Und so übt sie täglich noch heute
Als ob ihr der Absprung nie gelang
Denkt oft an das Lächeln der Leute

Aber das stört sie lange nicht mehr
Lächelt in rötende Scham zurück
Nimmt ihre Übungsgeräte her
Stellt sie vor sich hin und tritt zurück

Das kleine bald zwölf Zentimeter
Das große fast dreißig im Umfang
Sie denkt bei sich: „Es ginge härter
Aber das reicht für meinen Umgang“

Daneben ein metallenes Ei
Mit zweihundert Gramm scheinbar nicht schwer
Aber mit etwas Übung dabei
„Im Alter, hoffentlich, hilft es mehr“

Zuerst beginnt die Dehnungsübung
Mit Öl und stetig sanfter Gewalt
Sie zeigt nicht mehr nur eine Regung
Entspannung formt die beste Gestalt

Dann kommt das Krafttraining der Muskeln
Ihr Gesicht wirkt nun sehr konzentriert
Mancher musste keuchen und hüsteln
Mit dieser Fähigkeit konfrontiert

„Eigentlich könnt‘ ich stolz darauf sein“
Aber ihre Gefühle sind kalt
Ihr Herz ist seit langem wie aus Stein
Keine Dreißig fühlt sie sich uralt

Anfangs wollte sie Kinder und Mann
Doch Geld bannte stärker ihren Blick
Zuerst waren Gesicht und Brüste dran
Als nächstes folgt die Brötchenoptik

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Wenn die Selbstoptimierung zum Selbstzweck wird,
wird das Leben zum Zuschauer
und der Mensch zum Statisten.

^Gedichte

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