Wege

Ich hab’ gelogen
Viele betrogen
Habe sie verführt
Unschicklich berührt

Habe gemordet
Tod angeordnet
Hab‘ sterben lassen
Wollte nur hassen

Habe Macht erlangt
Mein Gesicht nun prangt
Reichtum angehäuft
Geld zu Geld nun läuft

Doch konnte ich ihn nie kriegen
Den Feind in meinem inneren
Nie konnte ich ihn besiegen
Gibt es denn keinen Schlimmeren?

Habe vielen geholfen
Manche Seele getroffen
Manches Herz so tief berührt
Glück immer wieder gespürt

Habe viele geheilt
Mein letztes Hemd geteilt
Habe Hunger gestillt
So viel Leid noch getilgt

War asketisch und weise
Sprach Worte immer leise
Sogar berühmt geworden
Von Größen gerühmt worden

Doch wer bin ich am Ende?
Wer führt mir meine Hände?
Ich leuchte wie Sternenpracht
Doch es leuchtet welche Kraft?

Mein Handeln bin nicht nur ich
Es muß geben eine Kraft
Die wirkt und kreiert durch mich
Die Gut und Böse erschafft

Ich bin nur der Steuermann
Ich bin Bote und Botschaft
Lenke nicht nur meinen Kahn
Und nehme und gebe Kraft

Doch diese Kraft bin nicht ich
Die Energie ist das Sein
Sie allein nur fliest durch mich
Was ich habe ist nicht mein

Wie ein Faden im Gewebe
Ein Knoten im ewigen Netz
Kriege alles, was ich gebe
Das Sein ist der ewige Schatz

So bin ich Teil dessen, was ich tu
Bin der eigenen Handlung Wirkung
Finde in der Suche keine Ruh
Mein Zweifel ist am End‘ mein Siechtum

So kehrt mein Blick zu Dir zurück
Frage stellt sich selbst in Frage
Die letzte Hoffnung auf mein Glück
Frieden ist es, den ich wage

Missbrauch

Auch was aus Liebe ist gefangen
Wird im Leben nicht mehr froh
Was als Kinderseele musste bangen
Wird im Erwachsenen dann roh 

Wenn Du lernst es zu befreien
Ihm Raum gibst und Licht zum Leben
Ihm hilfst sich zu entschleiern
Und lernst, der Angst Liebe zu geben 

So kann es zurück zu Dir
Als tiefe Lebensweisheit
Was verloren geglaubt in Dir
In erzwungener Bescheidenheit 

Aus tiefem Leid erwachsen
Die Fähigkeit zu Mitgefühl
Mit Geist und Herz betrachten
Des Leides innerstes Gefühl 

So kannst Du nun tragen
Was andere zerbricht
Und wenn die Zeit ist wagen
Was nur wenigen gelungen ist 

Dich Deinen Ängsten stellen
Den gelernten Hass besiegen
Nicht mehr Deiner Seele wehren
Über alte Schlachtfelder fliegen 

Erkennen was einst war
Es in Frieden nehmen
Benennen was einst war
Und in Frieden leben

Der erste Schritt

Wenn ein Hoffnungsschimmer streift
Was scheint schon lange ausgebleicht
Plötzlich Lebensgeister erwachen
Die starken und die schwachen
So können wir erleben
Wonach so viele streben
Was Glauben kann erschaffen
Wenn wir nur ein bisschen wachen
In unserem Leben wie in der Welt
Gleich, wie gut es ist bestellt
Mit Schaufel und Hacke versetzen wir Berge
Selbst wenn wir dagegen sind nur Zwerge
Mal ist es nur ein winziger Schritt
Mal weit wie ein Himmelsritt
Es ist der Griff nach den Sternen
Jene vor uns und jene im Fernen
Der uns dann gelingen mag
Wenn ich den ersten Schritt nur endlich wag

Mit einem Lächeln

Mit einem Lächeln möcht’ ich sterben 
All‘ die Schönheit noch erkannt 
All‘ mein Hab und Gut vererben 
Und den Rest still und leise nur verbrannt 

Mit einem Lächeln möchte ich gehen
Aus uns‘rer illustren Runde 
Auch wenn niemand kann verstehen 
Diese manchmal doch so seltsame Kunde 

Mit einem Lächeln werd‘ ich tragen 
All‘ den Schmerz und all’ den Zweifel 
Und werde immer wieder wagen 
Den mühsamen Weg zum letzten Gipfel 

Mit einem Lächeln werd‘ ich weinen 
Jene letzten Tränen dieses Lebens 
Auch wenn es noch so sinnlos mag erscheinen
Es ist und war nichts vergebens 

Auf ein Lächeln möcht‘ ich hoffen 
Auf Deinem Angesicht 
Wenn mein Bewusstsein wieder frei und offen 
Es den lieben Gott erblickt 

Tränen

Die Tränen fließen
Sanft über Deine Wange
Wie konnte diese Waffe schießen
Die hier doch lag schon so lange 

Wir kannten nicht die Gefahr
Lebten in Frieden mit uns allein
Dasein war einfach und wunderbar
Wussten nichts vom wirklichen Sein

Wir probierten alles aus
Fanden Freude und Zufriedenheit
Ließen keine Möglichkeit aus
Tanzten in die Gemeinsamkeit 

Entdeckten Lust und Schmerz
Lernten zu unterscheiden
Bis er böse wurde jener Scherz
Wussten noch nicht zu bescheiden 

So verloren wir unsere Unschuld
Im Sprung über die Grenze
Waren so voll Ungeduld
Wollten immer mehr – bis zur Gänze 

Gierig griffen wir nach allem
Auch den giftigen Früchten
So dem Rausch verfallen
Konnten nicht mehr flüchten 

Wie im Veitstanz gefangen
Konnten nicht mehr zurück
Wir erkannten, was vergangen
Doch verloren war das Glück 

Im Benennen die Angst gefunden
Im Verlust der Schmerz geboren
Aus Furcht den Mut geschunden
Schließlich die Orientierung verloren 

In Wahn und Schrecken
Ohne Sinn und Verstand
Nach dem letzten gegriffen
Was noch war zur Hand 

Du kanntest die Gefahr
Konntest doch nicht schätzen
Ob es in Deinem Sinne war
So sehr zu verletzen 

Aus Angst der Griff zur Waffe
Nun ist es Vergangenheit
Das jetzt die Hand erschlaffe
Bringt nicht zurück die Sicherheit 

Der Shock ist tief
Der Schrei erstickt
Die Geister, die ich rief
Haben das Licht der Welt erblickt


Ein Gedicht über die Entstehung des Bewußtseins. So wie die ersten Affen, die sich nur von Pflanzen ernährten. Bis ein Affe einen Stein nahm und wie durch Zufall seinen Rivalen erschlug. Er erkannte die Macht seiner Handlung und wurde ein unnachgiebiges Alpha-Tier. Nur sein Blick wurde immer finsterer. Er wurde auch besser in der Jagd nach anderen Tieren. Das Fleisch ermöglichte die Entwicklung eines neuen Bewußtseins. Und so wurde die Weiterentwicklung zum Menschen möglich.
Heute haben wir mit unserem Bewußtsein noch ganz andere Waffen und Möglichkeiten entwickelt. Wir bemänteln unsere Taten mit Worten wie: „Das war der Feind.“ – und fühlen uns berechtigt.
Auf die Frage an einen Kriegsveteranen des 2. Weltkrieges: „Hast Du mal einen Menschen bewußt getötet?“ antwortete dieser: „Ein einziges Mal stand ich einem Heckenschützen direkt gegenüber, die Waffe im Anschlag. Er oder ich. Und ich lebe noch. Aber die Bilder kriege ich nie wieder aus dem Kopf.“