Was ist Gott

Versuch einer Abgrenzung.

Eines der wichtigsten Attribute, die der Vorstellung des Begriffes „Gott“ in den deutschsprachigen Ländern Europas zugerechnet werden, ist die Allmächtigkeit. Ausgehend von dieser Eigenschaft leitet sich die Vorstellung über das Wesen des Begriffes „Gott“ ab, so wie er hier in diesem Blog verwendet wird und verstanden werden will. Aus Gründen der Verständlichkeit wird der Begriff „Gott“ nur in der üblichen maskulinen Form verwendet, auch wenn die hier versuchte Definition alle eventuell möglichen Geschlechtsmerkmale umfasst und beinhaltet.

Wenn Gott allmächtig ist, muß er alles Umfassen und in sich vereinen, was es in unserem Kosmos gibt – und darüber hinaus. Sollte auch nur ein kleiner Teil nicht Teil seines Selbst sein, hätte er per Definition keine Kontrolle darüber und wäre folglich nicht allmächtig. Das gilt für alles Materielle wie für alles Immaterielle, also für Materie, Energie und auch jegliches Bewusstsein, was wiederum der gängigen Vorstellung entspricht: „Gott ist überall“. Die logische Folge ist, daß Gott „alles“ ist – im Wortsinne. Das schließt damit neben allen materiellen auch alle geistigen Errungenschaften ein. Sämtliche Religionen mit ihren jeweiligen „Gottesvorstellungen“ und entsprechenden Bezeichnungen sind damit hier in diesem Blog unter dem Begriff „Gott“ subsumiert – auch ohne diese explizit zu nennen. Anhänger anderer Religionen mögen dementsprechend ihre Bezeichnungen stellvertretend verwenden, sofern auch in ihrer Vorstellung die Allmächtigkeit ein zugeordnetes Attribut ist.

Die Begrenztheit des menschlichen Bewusstseins zwingt eine begrenzte Vorstellung des Begriffes „Gott“ auf. Gleich, wie weit die Vorstellung reichen mag, sie wird per Definition niemals „alles“ Umfassen, da das projizierende Bewusstsein sich selbst dabei nicht beobachten kann. Entsprechend der Idee eines Holons nach Arthur Koestler, das immer auch wieder Teil eines größeren Holons ist. Die Folge ist eine beschränkte und jeweils kulturbedingte Vorstellung des Begriffes „Gott“. Diese Vorstellungen können individuell sehr voneinander Abweichen. Das verbindende Attribut der Allmächtigkeit beschreibt aber trotz allem eine implizit unverbrüchliche und individuelle Verbindung zu Gott – unabhängig davon, wie der individuelle Glaube ausgestaltet ist. Alle Menschen sind Teil des Ganzen und damit Teil von Gott, womit jeder für sich Gott bzw. einen göttlichen Aspekt repräsentiert.

Anmerkung: Um Verwechslungen vorzubeugen:
Die Kurzgeschichte „Wo ist Gott“ finden Sie
hier.

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10 Kommentare zu „Was ist Gott“

    1. Alles im Universum findet immer zwischen zwei Polen statt – zumindest kenne ich bis jetzt keine Ausnahme. Selbst der inzwischen wissenschaftlich bewiesene magnetische Monopol hat einen Gegenpol – nur nicht am gleichen Ort. Die Folge: eine polare Welt. Und wenn Gott allmächtig ist umfasst er(/sie/es) immer beide Pole. Sonst wäre er nicht allmächtig.
      Ich hab mal versucht, das Problem mit Gut und Böse in der Kurzgeschichte „Wo ist Gott?“ aufzudröseln.
      😉🍀🤗

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  1. Nach so einer schönen Definitions-Beschreibung habe ich (unbewusst) schon lange gesucht. Danke dafür! Und es hat mich sehr motiviert auch mal so eine Beschreibung meines Gottesverständnis zu schreiben (wenn er – mein Gott – wie ich ihn verstehe auch in meinem Blog stets immer wieder heraus leuchtet). So oft ist mir so viel „Nichtverständnis“ begegnet oder gar Ablehnung – wenn ich meinen ‚All-Einenden‘ (so nenne ich meinen) erwähnt habe.

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    1. Vielen lieben Dank für Deine schöne Rückmeldung.
      Auch bei mir entstand die Definition aus dem Gedanken heraus, wieviele Vorstellungen es wohl über das geben mag, was wir leichthin „Gott“ nennen, oder auch mit anderen Namen umschreiben. Und kaum jemand kann aus dem Stegreif eine einfache und klare Antwort geben – besonders nicht, wenn es um Sinnfragen geht. Dabei sollte gerade bei Sinnfragen, die sich meist stellen, wenn wir in (scheinbar) ausweglosen Situationen sind, die Hinwendung zu einer übergeordneten, wenn möglich absoluten Instanz Hilfe und Hoffnung ermöglichen – oder wenigstens versprechen. (So habe ich zumindest den christlichen Ansatz verstanden.)
      Auch meine Definition ist noch nicht einfach und klar genug, um alle Fragestellungen abzudecken. Aber ich hoffe, damit die wichtigsten Fragen, die ich in meinen Beiträgen anspreche, beantworten zu können. Und auch, daß die hier gesammelten Gedanken nicht nur auf die christliche Kultur beschränkt gelten wollen, sondern primär einfach „menschlich“ sind.
      🙏💚🤗

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  2. Find ich gut, dass du anschaulich darstellst, was bzw. wen du mit „Gott“ meinst. Wenn ich dich richtig verstanden habe, meinst du das Allmächtige hinter allen Dingen auf Erden und im gesamten Universum. Gott ist demnach in allem vertreten und er selbst ist weder gut noch böse. Gut oder Böse handeln also nur die Menschen, weil sie den freien Willen dazu haben.

    Die Moral ist eine Erfindung der Menschen, die ihre Taten in gute und böse einteilen, um miteinander in Frieden zu leben. Gott ist also jenseits von gut und böse. Das widerspricht zwar jeder Glaubensrichtung – die vom „Bodenpersonal“ geschaffen wurde, um die Menschen zu kontrollieren – aber leuchtet mir ein.

    Dann wäre Gott etwa die Kraft, die alles geschaffen hat, in allem unfehlbar lebt und sich doch nicht einmischt, weil sie zwar in allem wirkt, aber doch das Leben nicht beeinflusst. Da könnte man auch sagen, Gott ist die Natur aller Dinge und alle Dinge sind von Gott beseelt. Hab ich das so in etwa richtig verstanden?

    LG PP 🙂

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    1. „Gott ist die Natur aller Dinge und alle Dinge sind von Gott beseelt.“ Genau in diesem Sinne habe ich es gemeint.

      Allerdings denke ich nicht, dass der Mensch Moral und damit Werte erfunden hat, um Frieden zu finden. Auch persönliche Moralvorstellungen und unterschiedliche Werte können zu Streit und Krieg führen (und auch alle geistigen Konzepte sind Teil Gottes im obigen Sinne). Siehe hierzu meine Gedanken zu „Der Sinn“ und vor allem „Der Sinn 2.0“ ( https://ankordanz.wordpress.com/bedeutungen/der-sinn-2-0/ ).
      👍🙏🤗

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