Der Sinn

Nachdem ich eine ganze Weile darüber nachgedacht habe, was vielleicht der Sinn des Lebens sein könnte, habe ich eine – für mich – interessante Erkenntnis gefunden:

Die Antwort auf die letzten Sinn-Fragen, hier speziell die Frage nach dem Sinn des Lebens (Existenz der Natur allgemein aber auch des persönlichen Lebens) kann nicht rational beantwortet werden. Rationale Logik basiert immer auf Vorannahmen (Prämissen). Wie bei einer mathematische Formel, die erst durch das Füllen der Variablen mit echten Zahlen zu einer echten Zahl als Ergebnis kommt. Jede rational hergeleitete Antwort wäre durch mehr oder weniger bewußte Prämissen und Glaubenssätze als Ausgangspunkt vordefiniert. Je nachdem, was vorher angenommen wird, was gut und richtig und was schlecht und falsch ist, werden die Antworten auf diese Fragen zwar ein klares, aber bereits vorher festgelegtes Ergebnis haben. Die Antwort würde also immer dem jeweiligen Glaubenssystem entsprechen. Das beantwortet aber die Frage im eigentlichen Sinne nicht.

Vielleicht kann eine solche Frage durch Beobachtung der Natur beantwortet werden. Das Verhalten von Tieren und auch Pflanzen zeigt bei aller Variation eine gemeinsame Richtung: Sie versuchen immer das eigenen individuellen Leben zu erhalten, oder das der eigenen eigenen Gattung. 

Auch beim Menschen läßt sich dieses Verhalten bereits im Unbewußten, aus dem Gefühl heraus beobachten. Unser Gefühl, im Gehirn gesteuert durch das Gefühlszentrum, die Amygdala und ihre zugehörigen Strukturen, sind im gewissen Sinne die letzte Instanz vor bzw. unterhalb unseres rationalen Bewußtseins. Es ist damit die „höchste“ Ebene jenes Teiles unseres menschlichen Wesens, der in seinen Prämissen noch bis in die Ursprünge des Lebens zurück reicht und damit noch – relativ – unabhängig von unserem rationalen Bewußtsein ist. Das Gefühl kann – grob vereinfacht – immer nur einen Ist-Zustand bewerten, also „sich gut anfühlen“ oder „nicht gut anfühlen“ mit allen Zwischenstufen. Das Gefühl kann nicht in ganzen Sätzen antworten. Es kann nur in graduellen Abstufungen Zustimmung oder Ablehnung vermitteln. Will man das Unbewußte des Menschen zum Thema Sinn des Lebens befragen, sind die Frage- und Antwortmöglichkeiten natürlich entsprechend eingeschränkt.

Folgt man dieser Überlegung, muß die Frage nach dem Sinn des Lebens als geschlossene Frage formuliert werden: „Ist der Sinn, weshalb ich morgens aufstehe, damit ich etwas tun kann?“ Diese Frage könnte auch mit Logik beantwortet werden: „Natürlich, sonst könnte ich nicht Arbeiten, kein Geld verdienen, mir nichts zu Essen kaufen und müßte dann am Abend hungrig einschlafen.“ Das Problem ist nur, das hier bereits eine Menge Vorannahmen eingeflossen sind wie „ich brauche Geld um Essen kaufen zu können“ und viele weitere. Werden diese herausgenommen, bricht die ganze Kausalkette auseinander und löst sich in Wohlgefallen auf. Nur das Gefühl hat zu jeder Fragestellung, wie auch zu jeder anderen Situation, eine klare Meinung: gefällt oder gefällt nicht – in verschiedenen Abstufungen.

Werden nun die Präferenzen des Gefühls beobachtet, zeigt sich schnell, was gefällt und was nicht. Es wird deutlich, daß die Antwort-Reaktionen immer auf das Leben, das Überleben des Einzelnen aber auch der Spezies hin ausgerichtet sind. Die Antworten deuten immer in die Richtung, die der Ich-Erhaltung und der Art-Erhaltung dienlich sind. (Entsprechend des jeweils eigenen Glaubenssystems.) Dies entspricht genau dem Verhalten, das auch bei Tieren und Pflanzen beobachtet werden kann. 

Demnach zeigt sich der Sinn meines Daseins darin, daß ich mein Leben erhalte und ein Teil meiner Art bin, ein Mensch und damit einen Teil des Lebens selbst darstelle und durch die Zeit weitertrage. Ich selbst bin also gleichzeitig Zeichen des Lebens und durch mein Bewußtsein auch Zeuge des Lebens. Ich kann das Leben als solches erkennen und beobachten und bin doch gleichzeitig nur ein Teil des selbigen. Alles, was ich bin und tue dient schließlich wieder dem Leben – solange ich nicht bewußt gegen die meist unbewußten Präferenzen meiner Gefühle und Instinkte steuere. Und da ich ein Teil des Lebens bin, bedeutet das: Das Leben dient sich selbst. So wie Khalil Gibran es in seinem Gedicht „Eure Kinder“ beschreibt.

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