Tränen

Die Tränen fließen
Sanft über Deine Wange
Wie konnte diese Waffe schießen
Die hier doch lag schon so lange 

Wir kannten nicht die Gefahr
Lebten in Frieden mit uns allein
Dasein war einfach und wunderbar
Wussten nichts vom wirklichen Sein

Wir probierten alles aus
Fanden Freude und Zufriedenheit
Ließen keine Möglichkeit aus
Tanzten in die Gemeinsamkeit 

Entdeckten Lust und Schmerz
Lernten zu unterscheiden
Bis er böse wurde jener Scherz
Wussten noch nicht zu bescheiden 

So verloren wir unsere Unschuld
Im Sprung über die Grenze
Waren so voll Ungeduld
Wollten immer mehr – bis zur Gänze 

Gierig griffen wir nach allem
Auch den giftigen Früchten
So dem Rausch verfallen
Konnten nicht mehr flüchten 

Wie im Veitstanz gefangen
Konnten nicht mehr zurück
Wir erkannten, was vergangen
Doch verloren war das Glück 

Im Benennen die Angst gefunden
Im Verlust der Schmerz geboren
Aus Furcht den Mut geschunden
Schließlich die Orientierung verloren 

In Wahn und Schrecken
Ohne Sinn und Verstand
Nach dem letzten gegriffen
Was noch war zur Hand 

Du kanntest die Gefahr
Konntest doch nicht schätzen
Ob es in Deinem Sinne war
So sehr zu verletzen 

Aus Angst der Griff zur Waffe
Nun ist es Vergangenheit
Das jetzt die Hand erschlaffe
Bringt nicht zurück die Sicherheit 

Der Shock ist tief
Der Schrei erstickt
Die Geister, die ich rief
Haben das Licht der Welt erblickt


Ein Gedicht über die Entstehung des Bewußtseins. So wie die ersten Affen, die sich nur von Pflanzen ernährten. Bis ein Affe einen Stein nahm und wie durch Zufall seinen Rivalen erschlug. Er erkannte die Macht seiner Handlung und wurde ein unnachgiebiges Alpha-Tier. Nur sein Blick wurde immer finsterer. Er wurde auch besser in der Jagd nach anderen Tieren. Das Fleisch ermöglichte die Entwicklung eines neuen Bewußtseins. Und so wurde die Weiterentwicklung zum Menschen möglich.
Heute haben wir mit unserem Bewußtsein noch ganz andere Waffen und Möglichkeiten entwickelt. Wir bemänteln unsere Taten mit Worten wie: „Das war der Feind.“ – und fühlen uns berechtigt.
Auf die Frage an einen Kriegsveteranen des 2. Weltkrieges: „Hast Du mal einen Menschen bewußt getötet?“ antwortete dieser: „Ein einziges Mal stand ich einem Heckenschützen direkt gegenüber, die Waffe im Anschlag. Er oder ich. Und ich lebe noch. Aber die Bilder kriege ich nie wieder aus dem Kopf.“

6 Kommentare zu „Tränen“

  1. Tiere kennen kein Gut und Böse, deshalb ist ihr Töten ganz wertfrei zu sehen. Bei Menschen ist das anders. Niemand kennt die Todesursache eines anderen Menschen im voraus. Was ist gut, was böse, was bloßer Überlebenskampf und vor allem: was ist Schicksal?

    Gefällt 3 Personen

    1. Die Unterscheidung zwischen Gut und Böse ist – für mich – die Fähigkeit zu zweifeln.
      Bevor wir in der Lage sind, an dem, was ist zu zweifeln, befinden wir uns in einem paradiesischen Zustand – jener Moment noch bevor Adam in den Apfel biss: Die Möglichkeit des Todes (des Bösen) war uns nicht bewusst. Das „Schicksal“ kommt, wie und wann es will.
      Mit dem Erkennen dessen, was das Leben leichter und sicherer macht, erkennen wir „das Gute“. Alles, was das Leben seinem Ende näher bringt, ist „das Schlechte“.
      Doch irgendwann erkennen wir: Das Ende eines Lebens schafft den Platz und die Kraft für ein neues Leben, ein Leben, welches über das alten hinaus wachsen kann und sich an die todbringenden Veränderungen anpassen kann. Der Tod ermöglicht den Fortbestand des Lebens, ist also in sich auch wieder nicht nur schlecht.
      Die Angst vor dem „Schlechten“, dem „Bösen“ ist nur in einen begrenztem Rahmen sinnvoll. Ab einem gewissen Punkt ist „das Schlechte“ sogar wieder notwendig, damit das Leben seine Wandlungsfähigkeit, seine Anpassungsfähigkeit behält.
      Wenn man das erkennt, schließt sich der Kreis und man kann in den paradiesischen Zustand zurückkehren – bei vollem Bewusstsein. (Die Rückkehr in den Garten Eden.)
      Das Schicksal ist dabei einfach der Lauf der Dinge – ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Es wertet nicht. Nur die Angst und der Zweifel treiben uns zu einer Unterscheidung und damit zum Handeln, zu einer Suche nach einer „Verbesserung“. Und wenn wir ein paar Schritte gemacht haben, können wir unseren Kindern eine bessere „Startposition“ bieten, besser als unsere es war, bevor wir uns dem Schicksal schließlich wieder ergeben, so wie es der Lauf der Dinge ist.
      Haben wir das erkannt, wird der Sinn des Ganzen sichtbar, und wir können die Welt annehmen, wie sie ist – genauso wie uns selbst. Welche aber die richtigen Schritte sind, wird sich fast immer erst im Nachhinein zeigen. Wir können in diesem Prozess immer nur probieren und hoffen. Hier möglichst sinnvoll zu wählen ist die Fähigkeit und Chance des Bewusstseins.
      👍🍀🤗

      Gefällt 2 Personen

      1. 1Mo 2,17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben!

        Die Erkenntnis des Guten und Bösen ist das Bewusstsein. Dazu gehört die Gewissheit, sterben zu müssen. Wie Gott sein, das wollen wohl viele Menschen. Deshalb sind sie der Lüge des Weltlichen gefolgt, die mit Vielfalt und Wissenschaft lockt.

        Nur haben die Menschen bis heute nicht verstanden, was Gut und was Böse ist. Manchmal liegt nur ein schmaler Pfad dazwischen. Die globale Sicht, wie Gott, werden sie niemals haben und hier auf dieser Welt niemals unsterblich sein.

        Der Weg zurück ins Paradies ist hier auf Erden eine Sackgasse. Das Paradies ist verschlossen! Es führt nur eine Wandlung dorthin und das ist der Tod.

        http://www.gottes-bilderbuch.de/das-boese

        Gefällt 1 Person

      2. Vorab sollte ich sagen: Ich bin nicht sonderlich bibelkundig. Ich habe die Bibel noch nichteinmal vollständig gelesen (bis jetzt nur die vier Evangelien). Dass ich die zitierte Bibelstelle so gut getroffen habe, ist vermutlich reiner Zufall. Zumindest stammen meine Gedanken nicht ursprünglich aus der Bibel.
        Aus meiner kulturell christlichen Prägung (westliche Kultur, auch ohne direktes Interesse für Kirche und ursprünglich auch nicht für Religion) und diversen cineastischen Verarbeitungen des Themas weiß ich, wo die gängigen Vorstellungen von „Gut“ und „Böse“ liegen. Ich stimme mit diesen allerdings nicht ohne weiteres überein – siehe meinen ersten Antwort-Kommentar.
        Sein zu wollen wie Gott halte ich für nicht möglich, respektive eine Sackgasse (vgl. das Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“). Die mir bekannte gängige Vorstellung von Gott und das zugeschriebene Attribut der Allmächtigkeit sind philosophisch für mich nicht miteinander vereinbar. In diesem Punkt stimme ich mit Dir überein.
        Was das „Paradies auf Erden“ betrifft, so denke ich, dass dies möglich ist. Aber es ist ein innerer Weg, von außen nicht sichtbar oder erkennbar, weil nur jemand, der das „Paradies“ in sich gefunden hat weiß, wovon die Rede ist. (Viele andere glauben, darüber zu wissen, hantieren meines Erachtens aber mit einer Blackbox, die nicht geöffnet werden darf, um nicht Gefahr zu laufen, sich möglicherweise geirrt zu haben.) Denn genau hier wäre meine Rückfrage: Was ist das Paradies bzw. wie ist es definiert?
        (Ich habe für mich eine Vorstellung gefunden, wie das Paradies aussehen könnte. Aber es ist meine individuelle Vorstellung, und ich weiß nicht, ob nicht für jemanden anderen die gleiche Vorstellung die Hölle wäre.)
        🍀🙏🌈

        Gefällt 1 Person

      3. Im irdischen Dasein, das Paradies in der Welt zu finden, drückt dann wohl innere Zufriedenheit aus, quasi Gott in sich selbst zu finden. Das wünsche ich allen Suchenden auf dieser Welt! LG Gisela

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