Gedanke: Angst vor dem Tod

Nicht die Sterbenden haben die meiste Angst vor dem Tod. Sie haben keine Wahl über den Verlauf ihres zukünftigen Weges. Ein Weg, der sie in ein unbekanntes Land führt, über das es viele Berichte gibt, aber keine eindeutigen Karten. Wie bei ihrer Geburt entscheidet für sie das Leben über diese letzte Frage, und enthebt sie am Ende der Angst vor einer falschen Entscheidung.

Es sind jene, die zurückbleiben. Jene, welche selbst die Wahl treffen müssen, ob sie weiter ziehen, zurück ins Leben. Oder ob sie noch bleiben, bleiben an jenem Ort, an dem sie die Hand loslassen mussten, die ihnen jetzt fehlt, als wäre es ihre eigene. Jene, die nicht wissen, ob es nicht vielleicht doch noch eine Wahl gegeben hätte. Einen besseren Weg, eine bessere Entscheidung, oder ein noch größeres Opfer, welches sie hätten vielleicht aufbringen können oder müssen. Es ist die scheinbare Allmacht, über die wir hoffen zu verfügen, und mit der wir versuchen den Lauf der Dinge aufzuhalten, oder doch wenigstens nach unseren Vorstellungen zu ändern.

Dabei ist es doch gerade das Schwinden, das Vergessen, die Endlichkeit, die uns den Weg zurück in die Unschuld ebnet. All jenes, was den Geist befreit von seinen Erfahrungen des Schmerzes, der Angst und der Begrenzungen. Jene Erfahrung, die der Seele zeigt, dass selbst die Begrenzung nur begrenzt ist. Jene Lehre, die nur in diesem Schritt des Loslassens, des Aufgebens, der letzten, absoluten Hingabe an das, was ist, erlernt werden kann. Jener Schritt, der der letzte ist, und gleichzeitig der erste, den wir bei jedem Neubeginn machen: Der Schritt des Vertrauens, des bedingungslosen Glaubens, der mutigste Schritt, der all unsere Hoffnung, all unsere Liebe in sich vereint und damit das Leben selbst immer wieder aufs Neue hervorbringt. Jener große Wandel, dessen wir ein Teil sind, alle Zeit, ohne dass wir uns dafür entscheiden müssen. Denn dieser Wandel existiert, weil wir existieren.

8 Kommentare zu „Gedanke: Angst vor dem Tod“

  1. Warum wurde der Text geschrieben? Und: An wen richtet er sich? Welche Zeilen und Abschnitte beziehen sich auf den Tod? Welche auf das Sterben? Oder geht es tatsächlich nur um den Tod? Die Formulierungen (oder soll ich sagen: Andeutungen?) verwässern, meiner Meinung nach, eine substanzielle Aussage. Oder sind das vor allem Kunst und Gefühl, die hier zum Ausdruck kommen? Dann käme wieder Frage Eins aufs Tablett. Ich frage all das, weil ich einen direkten Bezug zu Sterben und Tod habe. Ich habe meine Frau bis zu ihrem Krebstod begleitet. Sie begleitet mich wiederum bis heute. Deswegen verstehe und erahne ich zum Teil, was Sie schreiben. Aber die Fragen und Ratlosigkeit bleiben. Mit freundlichen Grüßen Andre Szabo-Wendt

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    1. Ich schreibe meine Beiträge aus einem Gefühl heraus. Weniger als die Hälfte hat dabei einen Auslöser, der auch für mich klar erkennbar ist bzw. war. Und nur ganz wenige sind dabei tatsächlich an eine individuelle Person gerichtet. Diesen Beitrag hatte ich zwei Tage vor der Veröffentlichung begonnen, vermutlich, weil ich mich derzeit immer wieder mit der Ausformulierung einer möglichen Antwort auf die Frage „Was ist Leben?“ befasse.
      Zur Frage: „Welche Zeilen und Abschnitte beziehen sich auf den Tod? Welche auf das Sterben?“
      Die ersten beiden Absätze beziehen sich nur auf den Tod – in seiner Endgültigkeit. Der dritte Absatz bezieht sich mehr auf den Prozess des Überganges, der „vollkommenen Hingabe“, welcher auch im Leben vollzogen werden kann. Die „verwässernde“ Sprachführung ist dabei Absicht, um nicht den Tod als einzigen Ausweg aus eventuell ausweglos erscheinenden Situationen stehen zu lassen. So wie ich eindeutige Hinweise auf ein Leben nach dem Streben gebe – für alle Beteiligten – so versuche ich der Erfahrung einen Sinn zu geben, der von Hoffnung erfüllt ist und ggf. über den Tod hinausreicht.
      Der Inhalt dieses Beitrages wird von einer klaren inneren Überzeugung getragen, die für mich einen ähnlichen Stellenwert hat, wie die Wissenschaft in unserer Gesellschaft. Allerdings fließen dabei auch Erfahrungen und Erkenntnisse verschiedener Weisheitssysteme aus aller Welt mit ein, welche mir gerade bei religiös geprägten Themen eine andere Sichtweise ermöglicht, als sie in unserer westlichen Kultur üblich ist.
      Das erfahrene und angesprochene „Begleiten“ ist ein Teil dessen, was ich mit vermitteln wollte, ohne es anzusprechen. Es ist Teil der „Hoffnung“, die auch ersteinmal verstörend sein kann, weil sie in unserem wissenschaftlichen Kanon dessen, worüber man spricht und worüber nicht, zu dem Teil gehört, den die meisten zwar kennen aber doch lieber verschweigen. Für mich gibt es diese Welt. Doch solange die zugehörige Sprache in den offiziellen Medien oft auch für wissenschaftsverleugnende Problematiken verwendet wird, bin ich vorsichtig im Umgang mit selbiger, solange ich nicht direkt darauf angesprochen werde.
      Ihre Ahnung erscheint mir als durchaus richtig, und ich hoffe, zumindest einen kleinen Teil Ihrer Fragen beantwortet zu haben. Für weitere stehe ich gerne jederzeit zur Verfügung (ggf. auch per Mail, sieht Menu/Kontakt). Und wünsche Ihnen die notwendige Kraft und den inneren Frieden, Ihren Weg weitergehen zu können.
      In tiefem Mitgefühl
      🍀🙏🤗

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      1. Ich danke Ihnen recht herzlich für Ihre ausführliche Antwort. Für mich bestätigt sich die Vermutung, dass Sie die Themen Sterben und Tod eher abstrakt intellektuell angegangen sind, was ich grundsätzlich nicht verkehrt finde. Zudem bin ich der Ansicht, dass eine klarere verständlichere Sprache ihren Text stärker gemacht hat. So hat er mich jedenfalls nicht überzeugt. Ich danke Ihnen für Ihr Mitgefühl. Meine Frau ist bereits vor über 10 Jahren gestorben. Ihren Tod habe ich gut in mein Leben integrieren können. Kraft brauche ich dagegen für ganz andere Probleme. Ich wünsche Ihnen mehr Mut zur Klarheit in ihrer Sprache. Vielleicht schreiben wir uns noch:-)

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      2. Vielen Dank für Ihre Antwort.
        Bezüglich der „klareren“ Sprache bin in solchen Beiträgen eher vorsichtig. Nicht jeder hat Ihren Hintergrund und kann ein solches Thema so direkt und ohne Umschweife annehmen. (Ich versuche zu vermeiden, eine Triggerwarnung an den Beginn eines solchen Beitrags schreiben zu müssen.) Und auch ist mir bei allen meinen Beiträgen das Thema Hoffnung immer wichtiger als die eventuelle Schonungslosigkeit einer klaren Sprache oder gar der Versuch jemanden von meinen Ansichten überzeugen zu wollen. Wer einen Weg für sich gefunden hat, mit solch einem Thema positiv umgehen zu können, hat meinen vollen Respekt. Schlussendlich sind wir alle Suchende, und ich versuche nur meine kleine Laterne ein wenig höher zu halten, damit auch andere die Möglichkeit haben, zu erkennen: Hier ist auch ein möglicher Weg. Finden muß am Ende jeder den seinen.
        👍🍀🤗

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      3. Das klingt für mich eher wie Weihrauchnebel statt Laternenlicht. Klarheit hat für mich nicht unbedingt mit Härte und Schonungslosigkeit zu tun sondern mit Überzeugungskraft. Sterben und Tod sind nun einmal schmerzhafte und absolute Erfahrungen. Sie machen die eigene Endlichkeit deutlich. Daraus etwas positives und hoffnungsvolles zu ziehen, ist stark, finde ich. Genau das haben Sie vermutlich mit ihrem Text versucht. Doch bleibt für mich die Frage: Wollen Sie darüber schreiben oder wollen sie darüber nur ein bisschen schreiben? Und: Wen wollen Sie warum schonen? Ich finde es ehrenhaft, wenn Sie niemanden überzeugen wollen. Ich mag auch nicht den missionarischen Eifer von Leuten, die meinen, die Wahrheit gepachtet zu haben. Doch leider las sich Ihr Text in meinen Augen fast wie eine Predigt. Für Ihre Vorsicht habe ich vollstes Verständnis. Mich treibt bei allem, was ich schreibe und veröffentliche jedes Mal die Angst um, dass ich damit verletze oder jemanden vor den Kopf stoße. Das geht mir auch bei unserem Gedankenaustausch so. Ich wähle die Worte mit Bedacht. Doch schonen will Sie und mich dann doch nicht vollständig, weil es dann nur noch auf blumiges Palaver hinauslaufen würde. Für mich stellt sich nicht so sehr die Frage, ob Sie mich überzeugen können, sondern ob mich das, was Sie schreiben überzeugt. Ich kenne Sie schließlich nicht. Nur Ihren Text.

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      4. Überzeugungskraft ist nicht meine Intention. Hoffnung ist mein primärer Gedanke – mit oder ohne Weihrauch, je nach Geschmack 😉. Dabei ist mir nicht wichtig, wenig oder viel zu schreiben. Je mehr Sidetracks offen bleiben, um so mehr Möglichkeiten hat jeder potentielle Leser, wieder zurück zu seinem eigenen Weg zu kommen. Würde ich mehr schreiben, würde ich immer mehr einen klaren Weg zeichnen im Sinne von „hier geht es entlang zur Heilung“ und schließe damit immer mehr eigene Individualität aus. Jeder angedeutete und nicht vollendete Seitenpfad ermöglicht, wieder in die eigene Phantasie und damit in die eigene Welt zurückzukehren. Und wenn es klappt, mit einem neuen Funken der Hoffnung, um im eigenen Universum wieder ein neues Licht zu entzünden.
        Um es deutlicher zu sage: Ich suche keine Anhänger. Ich versuche das in die Welt zu bringen, was ich mir für mich selber wünsche. Denn: Kennen Sie meine Texte, kennen sie mich – nicht meine Geschichte, sondern mein Wesen. (Oder, um es mit einem Filmzitat zu sagen: „Nicht wer Du warst ist wichtig, sondern wer Du jetzt bist.“)
        🙏👍🤗

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      5. Aus reiner Neugierde würde mich interessieren, was Sie an diesem Thema wirklich interessiert (über Ihre Geschichte hinausgehend)?
        🙏🍀🤗

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