Demut

Letztlich loslassen
Endlich begreifen
Wollen nicht fassen
Schließlich doch reifen

Leid ist ein großer Lehrer
Führt uns an tiefe Grenzen
Freiwillig kein Verehrer
Des Erkennens des Ganzen

Wollen lieber liegen bleiben
Im träumenden Schlaf des Geistes
Lieber im Vergessen bleiben
Im Genuss des kranken Körpers

Verantwortungslos treiben
Zur Musik schnellen Rhythmus
Im kreisförmigen Reigen
Die Lust, die immer mit muss

Finden unser aller Weg
Durch körperliche Freuden
Scheinbar erfolgreicher Weg
Um den Geist zu betäuben

Doch der Verfall des Körpers
Zwingt irgendwann zum horchen
Ausdruck physischen Schmerzes
Zwingt uns doch zum gehorchen

Glauben, wir haben volle Kontrolle
Gepriesen die dualistische Welt
Wie Superhelden einer Filmrolle
Unendliche Gesundheit, Kraft und Geld

Nur die, die nicht sind der Erste
Zweiter, Dritter und die Letzten
Deren Schicksal nicht das Beste
Zu denen wir uns bald setzen

Wissen nichts mehr anzufangen
Geistes Kraft und Körpers Schwäche
Nach Disziplin kein Verlangen
So bekommt Geist keine Kräfte

Zum Erkennen gezwungen
Beklagen wir und beten
Lange genug gewunden
Nehmen doch, was gegeben

Stecken zurück im ewigen Kampf
Verlassen freiwillig die Spitze
Werden mit uns und anderen sanft
Treten zurück von Kampfes Hitze

Suchen nach neuen Wegen
Nicht auf anderer Kosten
Bewusst eigenes Streben
Innerer Stimme folgen

Sinnsuche, nicht mehr nur Sinnlichkeit
Erkennen von Stärke in Schwäche
Wahrnehmen echter Befindlichkeit
Anfang und Ende jeder Suche

Gewahr werden göttlicher Größe
Erspüren endloser Bindungen
Einheit aller ewigen Flüsse
Erleben ewiger Liebenden

Kurze Momente der Endlosigkeit
Schenken Vertrauen und endlosen Mut
Rückkehr zu den Menschen in Ehrlichkeit
Begegnungen nur in tiefer Demut


Wer tritt freiwillig einen Schritt zurück, um sich selbst zu betrachten? Nicht um an sich zu zweifeln oder um sich selbst zu bewundern. Nur um sich selbst zu verstehen. Wer ist bereit alle Hoffnung und alle Trauer hinter sich zu lassen, um jenes zu finden, was hinter all der Freude und all dem Leid steht, das unser Leben zu einem Leben macht? Wer ist bereit, den Tod zu umarmen, um das Leben in allem was ist erkennen zu können? Wer lässt sich freiwillig auf all die Verstrickungen ein, die unsere Freiheit binden, um das Bewusstsein um die wahre Verbundenheit mit allem befreien zu können? Diesen winzigen Schritt, der ein ganzes Leben in Anspruch nehmen kann, wer ist dazu bereit?

2 Kommentare zu „Demut“

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