Das ewige Gewand

Ich sehe Dich 
Verstehe Dich 
Erkenne Dich 
Benenne Dich

Spüre Dein Leid 
Stehe bereit
Weiß bescheid 
Bald ist es soweit 

Die Erfüllung aller Wünsche 
Das Verblassen all der Schminke 
Ein letztes mal zum Abschied winke 
Bevor ich schließlich zu Boden sinke 

Lasse Dich schweren Herzens gehen 
In die Arme jener, die die dort schon stehen 
Ein letztes Mal die Haare im Wind wehen 
Solange wir noch zusammenstehen 

Die Wege trennen sich nun 
Letzte Worte noch kundtun 
Bevor wir in Einsamkeit ruh’n 
Erschöpft von all’ den Müh’n 

Alle Pflicht ist schließlich erfüllt 
Das letzte Geheimnis wird enthüllt 
Bewusstsein löst sich auf in dem, was man fühlt 
Und die Nacht alle alten Ängste kühlt 

So bleibe ich zurück 
Sehe, wie Du gehst, Stück für Stück 
Auf dem Weg in ein unbekanntes Glück 
Ohne Möglichkeit auf einen Blick zurück 

Der Geist mit den Geist sich nun vereint 
Nichts wird weiter noch verneint 
Und wenn auch manche Seele weint 
Denn nichts bleibt wie es scheint 

Leid und Trauer wiegen schwer 
Verwirrung und Unsicherheit sind wie ein Meer
Doch der Engel großes Heer 
Erfüllen den Raum – mehr und mehr 

So liegt mein und Dein in Gottes Hand
Gehüllt in das ewige Gewand
Die letzten Schritte an des Lebens Strand
Deine hinaus in des Himmels Meer, meine zurück an Land


Niemand weiß, wann die Zeit gekommen ist.

Aber manchmal wird sie absehbar – ja sogar berechenbar.

Was soll man dann noch tun?

Für mehr oder auch weniger große Ziele wird die Zeit zu kurz.

Und trotzdem hat man das Gefühl, man müsse noch etwas tun: Eine letzte Angelegenheit regeln, einen letzten Wunsch erfüllen.

Aber welche oder welchen?

Ich gehe hier mit dem Hund und stelle mir diese Fragen.

Ich schreibe, wie oft, im gehen und höre dabei Radio.

Radio moderiert meine Emotionen auf ein erträgliches Maß, damit ich sie nicht unbewusst abspalte – keine schöne Situation.

Tun kann ich nichts.

Ich kann nur da sein und ein Gefühl vermitteln.

Das Gefühl, dass niemand alleine ist, gleich was kommt oder was wird.

Einfach da sein und alle Wut, alle Angst, alle Schmerzen ertragen, die eigenen wie auch die anderen.

Versuchen, die Aufgaben zu übernehmen, die nie meine waren.

Versuchen, alles richtig zu machen, damit nicht wieder ein Blitzableiter wie eine stumpfe Speerspitze in die Wolken der Angst reicht, an der sich die Wut der letzten Hoffnung entladen kann.

4 Kommentare zu „Das ewige Gewand“

  1. Lieber Ankordanz,
    dein Beitrag erinnert mich an eine Zeit, in der es mir so ähnlich ging, wie es hier beschrieben wird von dir.
    Im Nachhinein kann ich sagen:
    Das „Da-Sein“, das einfach „nur“ Da-sein war das tiefste Geschenk für mich und für mein Gegenüber.
    In allen Ups and Downs – und es hat Kraft gekostet – Gefühle gemacht – machmal Tränen fließen lassen…
    … und war so unendlich wertvoll – dieses DA-SEIN.
    Ich wünsche jedem, der in einer solchen Situation ist, dass er die Liebe und den Frieden, der in allem und hinter allem steht, als Kraftquelle empfinden und nutzen kann und sich dessen gewahr ist, WELCH GROSSES GESCHENK ES IST DASS ER DA IST – EINFACH „NUR“ DA IST – UND DAMIT UNENDLICH VIEL GIBT
    Alles Liebe und Gute von Miriam

    Gefällt 2 Personen

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