Gedanke: Buddhismus & Egoismus

– eine stark vereinfachte Überlegung

Ein wichtiges Ideale des Buddhismus ist, das Wohl der anderen über das eigene zu stellen (soweit mir bekannt).

Wird diese Aufforderung aber nicht zum egoistischen Selbstzweck, wird man über Kurz oder Lang zum unglücklichsten Menschen von allen, wenn man versucht, diesem Ideal zu entsprechen. Entweder, weil man es nicht schafft, dieser Aufforderung wirklich nachzukommen, oder (sollte man es tatsächlich schaffen), weil alle anderen glücklicher sind, als man selbst. Es wäre wie ein Wettstreit darum, wer der unglücklichste ist von allen – nur um dem Ideal genüge zu tun, daß es den anderen schließlich besser gehen solle, als einem selber. 

Nimmt man die Aufforderung, das Wohl der anderen über das eigene zu stellen, aber als egoistischen Selbstzweck, so kann man leicht sagen: „Du bist egoistisch? Das ist schön, ich auch. Dir geht es gut? Das ist noch besser. Dann geht es mir auch gut.“ Und das Ganze geht auch, wenn die Ziele und Motive vielleicht völlig unterschiedliche sind. Der „normale Egoist“ kümmert sich um sich selber, meist auf Kosten anderer. In einer glücklichen Fügung ergibt sich vielleicht eine „Win-Win-Situation“ und zwei oder mehrere „normale Egoisten“ können mit einem gemeinsamen Ziel glücklich werden. Der „ideale Egoist“ im Sinne des oben beschriebenen Ideals ist darin bestrebt, viele Menschen glücklich zu machen, auf welche Art auch immer, denn je mehr Glück er in anderen leuchten sieht, umso glücklicher wird er selber. Keine fragile „Win-Win-Situation“, welche sofort auseinander bricht, wenn sich die Situation ändert, sondern ein tatsächlich gemeinsames Streben, das Beste aus dem zu machen, was für alle gemeinsam aber auch für jeden einzeln möglich ist. 

Jetzt könnte man leicht denken: „Okay, dann kann ich mir den „idealen Egoisten“ leicht zu Diensten machen. Er unterstützt schließlich alle meine Bestrebungen, die mich glücklich machen.“ Mit einem Egoisten im Sinne dieses buddhistischen Ideals, der diesen Zusammenhang wirklich verinnerlicht hat, wird es so leicht aber nicht funktionieren. Wer das Wohl vieler im Sinn hat, wird das Wohl eines einzelnen nicht unreflektiert unterstützen. 

8 Kommentare zu „Gedanke: Buddhismus & Egoismus“

  1. Das ist ein Thema, welches mich auch beschäftigt. Gibt es Altruismus in Reinform überhaupt? Vielleicht, wenn Menschen aus einer Situation heraus sofort, schnell handeln müssen, also keine Zeit zum abwägen, zum nachdenken haben. Ich weiß es nicht.

    Danke für den Anstoß & Grüße.

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    1. Ich glaube, das Problem mit dem Wort „Altruismus“ liegt in seiner Definition. Es geht mir allerdings auch nicht um Altruismus in Reinform. Ein Altruist in Reinform wäre vermutlich nicht lebensfähig – schließt sich vermutlich selbst aus.
      Das beschriebene Ideal ändert ja nicht wirklich die Welt, auch dann nicht, wenn tatsächlich alle mitmachen würden. Aber es dehnt viele der entstehenden Probleme zeitlich in die Länge, womit der Umgang mit ihnen leichter wird. Gleichzeitig verlangsamen sich aber auch die notwendigen Entwicklungsprozesse.
      Alles hat so seine zwei Seiten…
      👍🙏🤗

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  2. Ein wichtiges Ideale des Buddhismus ist, das Wohl der anderen über das eigene zu stellen (soweit mir bekannt). – Ich finde den Einstieg tatsächlich stark vereinfacht. In erster Linie geht es doch im Buddhismus um a) das Gesetz aus Aktion und Reaktion u. b) die Tatsache, dass jeder ein Teil des Ganzen ist u. dies somit auch ein Teil von ihm ist. Wenn ich eine negative ein Leid erzeugende Verhaltensweise an den Tag lege, erzeuge ich eine Welt, in der das Leid gegenwärtig ist u. die/der Leidende wird es andere weitergeben. Ich muss mir überlegen, wie ich mir wünsche, dass die Mitwelt aussieht und hierfür meine Impulse setzen. Damit steigen meine Chancen. Hinzu kommt der Umstand, mit wem ich mich umgebe. Im Pali Kanon fordert der Buddha die Mönche auf, das Leben wie ein reicher Reisender zu gestalten, der aus Sorge vor Überfällen, Räubern, einen sicheren Weg wählt und sich gut überlegt, wen er zum Begleiter wählt. Gehe ich ständig zum Angriff über, verbreite Hass, Wut und andere Dinge, werden mich auf kurz oder lang auch die passenden Leute begleiten. Ich denke bei der Überlegung gehört auch noch die Interpretationen des etwas despektierlich kleiner Weg genannten und dem großen Weg. Im kleinen geht es (einfach!) um die Vervollkommnung des Einzelnen, während der große Weg auf alle ausgerichtet ist.

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    1. Ich muss zugeben, meine Kenntnisse über den Buddhismus reichen nicht sehr weit – daher auch meine „starke Vereinfachung“.
      Wenn ich allerdings versuche, die vier edlen Wahrheiten zu hinterfragen (nicht in Frage zu stellen, sondern zu fragen, warum jede für sich eine Wahrheit ist), komme ich für mich zu folgenden, wiederum vereinfachten Antworten:
      Die Existenz des Leides gibt es und muß es geben, damit Anpassung an die sich verändernde Umwelt erfolgt. Ohne Anpassung würde unser individuelles Leben erlöschen. Die Veränderung an sich muss es wiederum geben, weil biologisches Leben (auf dem unser Bewusstsein in dieser Welt aufbaut) immer zwischen zwei Polen mit einem Energiegefälle stattfindet. Ohne dieses Energiegefälle wäre biologisches Leben wie wir es kennen nicht möglich. Und diese Energiegefälle verändern sich ihrerseits durch ihre Entladung.
      Das Leid entsteht also durch ein Festhalten an dem, was ist. Es soll sich nicht verändern, denn dann könnte ich ohne Angst ewig leben. Das geht aber rein physikalisch nicht. Der entstehende Anpassungsdruck erzeugt also über seine jeweiligen Zwischenstufen das Leid.
      Die Linderung des Leides entsteht meiner Einschätzung nach in der Erkenntnis, dass der Lauf der Dinge und unser Leben so ist, und nur so genau richtig ist und eben nicht entsprechend einer perfekten, aber unvollständigen Idee, wie die Welt sein „müsste“.
      Das Problem ist, dass wir uns die Welt selbst erklären, erklären müssen, auf Basis dessen, was wir wissen (mehr oder weniger unbewusste Interpretation unserer Sinneseindrücken, die zu unserer Welt in unserem Inneren führt).
      Wenn wir also die Idee loslassen, die Welt „retten“ zu können (und somit auch uns selbst), können wir aus dem Leid aussteigen. Aber das erfordert Wissen und die Anerkennung unserer und aller Endlichkeit – was kaum jemanden ohne entsprechende „Arbeit“ gegeben ist (Bodhi).
      Damit müsste ich die vier edlen Wahrheiten, den achtfachen Pfad und auch die Aussagen des „Ochsenzyklus“ grob (stark vereinfacht) abgedeckt haben. Wie das der einzelne in seinem Leben erreichen kann, ist für jeden einzelnen individuell, entsprechend seiner Möglichkeiten.
      👍🙏🤗

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