Was bleibt?

Wir haben das Atom gespalten
Wir haben das Meer erwärmt
Den Tod auf hundert Jahre aufgehalten
Und alle großen Religionen mit Blut getränkt

Wir haben den Mond betreten
Haben die Sonne ausgeforscht
Sind für die Schwachen eingetreten
Und haben eig’ne Schwächen ausgelöscht

Wir haben des Pudels Kern gefunden
Haben alles zerlegt und zerpflückt
Haben uns vor uns selbst gewunden
Sind am End’ eigentlich nur verrückt

Das letzte Stückchen Freiheit ist vermessen
Glaube hat lang schon keinen Inhalt mehr
Unser’n Körper hat ein anderer besessen
Der Geist wird langsam leer

Was bleibt nun endlich übrig?
Wir kennen alle Möglichkeit
Was macht uns denn noch glücklich?
Größtes Problem ist kleinste Unpässlichkeit

Auf Wolken gebettet
Gleiten wir dahin
Niemand der uns rettet
Gibt man sich noch hin?

Die volle Kontrolle
Die wollten wir haben
Nun steh’n wir an der Schwelle
Und wissen nicht mehr, was wagen

14 Kommentare zu „Was bleibt?“

    1. In wissenschaftlichen Sinne fehlt uns hauptsächlich die Erkenntnis, was Gravitation eigentlich ist – meines Wissens nach. Im philosophischen Sinne würde ich mich auf Ken Wilber mit seinen integralen Weltbild berufen sowie auf das auch von Wilber verwendete Modell der Holons nach Arthur Koestler. Das erklärt zwar noch nicht, was „sie Welt im innersten zusammenhält“, aber es hat mir ganz gut gezeigt, warum gerade diese Frage so schwierig zu beantworten ist.
      Die letztendliche Beantwortung dieser Frage werden andere übernehmen müssen. Soweit reicht meine Erkenntnisfähigkeit nicht – zumindest nach aktuellem Kenntnisstand.
      😉👍🤗

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      1. Ich habe mal gelernt, dass jede wissenschaftliche Aussage eigentlich beginnen müsste mit: „der aktuelle Stand des Irrtums ist …“ mich persönlich fasziniert besonders die von der Quantentheorie aufgeworfene Frage nach Energie und/oder Materie. Die Vorstellung, und es gab sogar Experimente dazu, dass auch Dinge im Nachhinein veränderbar sind, wenn sie noch nicht beobachtet und die Zustände damit noch nicht determiniert wurden, finde äußerst spannend. Unter diesen Aspekten bekommt die Position des Beobachters und der Begriff der Möglichkeit eine ganz andere Bedeutung. 😊😊😊

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      2. Ich würde es nicht „den aktuellen Stand des Irrtums“ nennen. Als Bild: Wissen ist für mich wie der Inhalt eines Suppentellers, und am Tellerrand ist die Grenze des aktuellen Wissens erreicht. Aber wir verschieben die Grenze ständig weiter nach außen, was den Inhalt mehrt, aber auch die offenen Fragen. Und was sich vor allem jedesmal auch auf das Verständnis des bestehenden Wissens auswirkt. Die gesammelten Fakten ändern sich nicht (Stand des Irrtums?) sondern nur die Interpretation (Stand des Irrtums!). Wir müssen ständig unsere Modelle dessen „was ist“ anpassen. Das, was ist, bleibt davon unbehelligt.
        Bei der Frage nach den Welle-Teilchen-Dualismus ist der Gedanke mit dem Vergessen natürlich äußerst interessant. Durch das Vergessen wäre die Determinierung quasi wieder „gelöscht“, und alle Möglichkeiten wären wieder offen. Die ganze Idee der Multiversen funktioniert aber nur, wenn der Beobachter außen steht, also von außerhalb beobachtet – nach meinem momentanen Verständnis. Wir sind aber Teil des „Objektes“, welches wir beobachten. Und darin liegt die Schwierigkeit, solange zu jeder Wirkung auch eine Ursache gehört. Und selbst wenn wir den Lauf der Zeit nicht nur dehnen und stauchen könnten, sondern sogar umkehren, so wären wir immernoch in das Kausalitätsprinzip eingebunden. Bedeutet nach meinem Verständnis: Erst wenn wir es schaffen, Ursache und Wirkung zu trennen, und sei es nur in unserer Vorstellung, werden wir das Selbst an sich und damit das, was die Welt im innersten zusammenhält erkennen können.
        Und wie lange wir dafür noch brauchen, weiß ich nicht. Es wird aber vermutlich noch einige Dogmenwechsel an Zeit kosten.
        👍🙏🤗

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      3. Das Vergessen kann die Determination aufheben? Wie sehr müsste wohl etwas vergessen werden, damit es wieder zu einer Möglichkeit wird. Ich würde ja grundsätzlich fast in allen Bereichen in ein Lob für das Vergessen einstimmen, insbesondere wenn sich darauf neue Möglichkeiten ergeben würden. Leider ist es ja so, dass wir in den Fällen, wo aus meiner Sicht kein Vergessen einsetzen sollte, leider kein spürbarer Lerneffekt einsetzt.
        Und Verschieben wir wirklich permanent die Grenzen des Wissens. Ja irgendwie schon, aber leider immer nur sehr begrenzt. Wir suchen aus meiner Sicht immer viel zu konzentriert in einer Richtung und versuchen alles andere per Definition auszuschließen. Es kommt mir immer vor, als würden wir mit einer Taschenlampe ins Dunkel leuchten, und ab und an erwischen wir etwas mit unserem Lichtkegel. Aber das große Ganze, nehmen wir nicht in den Blick. Im Gegenteil, wir erhöhen den Zoom und die Auflösung, um noch genauer hinzuschauen, und den Blick noch weiter einzuschränken.
        Und dabei suchen wir verzweifelt nach Ursache und Wirkung, weil das das Leben doch so vereinfachen würde. Wenn wir endlich und zweifelsfrei sagen könnten, wenn A dann B. Aber wie Brecht schon sagte: „Wer A sagt, muss nicht B sagen, er kann auch feststellen, dass A falsch war.“ Wäre schön, wenn das heute wirklich möglich wäre.
        😊

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      4. Lernen ist ein so langwieriger und aufwändiger Prozess, das wir in der Gesamtheit die Veränderungen kaum merken. Obwohl: Jemand der in den Achtzigern des letzten Jahrhunderts geboren wurde oder früher hat mit der multimedialen Entwicklung (hauptsächlich Internet und Smartphone, heute zusätzlich Dashcam und KI) einen solchen weltweiten Entwicklungsschub erlebt, wie ihn wohl noch keine Menscheitsgeneration zuvor erlebt hat. Die primär sozialen Veränderungen durch die neuen technischen Möglichkeiten topen jede andere technische Revolution, die ich kenne. Und auch wenn der Verlauf im Nachhinein logisch völlig nachvollziehbar ist, hat ihn doch keiner vorhergesehen – der berühmte „Schmetterlings-Effekt“. Wenn der Focus unserer „Taschenlampe“ gerade mal wieder auf die falsche Stelle leuchtet, kriegen wir das wesentliche halt mal wieder nicht mit… 😉
        Bezüglich des Vergessens gehe ich jetzt einmal stillschweigend davon aus, das der Mensch das einzige Wesen ist, das ein Bewußtsein besitzt, welches in dieser Art (Beobachter-Effekt, Welle-Teilchen-Dualismus) auf die Wirklichkeit einwirken kann – so habe ich zumindest die allgemeine wissenschaftliche Grundhaltung verstanden. Das Problem ist nur, woher stammen die vielen Vorgaben, die z.B. in unserem Genom bereits einprogrammiert sind? Keiner weiß, wer das da reingeschrieben hat und warum die „Erinnerung“ so schön funktioniert. Denn eigentlich wäre doch alles „offen“, instabil und völlig beliebig, solange nichts beobachtet und damit determiniert wurde. Oder, um es mit einem Bild zu sagen: Wer hat der Bergziege gesagt, wie man einen Steilhang entlang rennt, was sie bereits ab dem Moment ihrer Geburt kann. Beobachten konnte sie es bis zum Moment Ihrer Geburt jedenfalls nicht (ganz zu schweigen von dem Bewußtsein, das für eine entsprechende Beobachtung nötig wäre, welches wir ihr absprechen). Oder: Wer hat der Materie gesagt, wie Sterne und Planeten entstehen, solange es noch nicht einmal Leben auf der Erde gab, das vielleicht ein entsprechendes Bewußtsein tragen könnte. Und hier schließt sich der Kreis: In der mir bekannten allgemeinen Vorstellung baut das beobachtende und damit determinierende Bewußtsein auf Leben auf. Das Leben baut aber auf „lebloser“ Materie auf, die erst durch das Bewußtsein zu dem wird, was sie ist. Entweder gibt es also ein Bewußtsein, das (in welcher Form auch immer) alles „zusammenfasst“ (vielleicht vergleichbar mit Gott?). Oder aber es wird NICHTS vergessen, da ALLES, jede Wirkung über das Kausalitätsprinzip mit seiner jeweiligen Ursache zusammenhängt, welche ihrerseits wieder nur eine Wirkung ist – bis zurück zum Urknall, mit dem damit schlußendlich ALLES bereits definiert und damit determiniert wurde. Auch das determinierende Bewußtsein, welches auf Leben aufbaut, welches auf Materie aufbaut, welche mit dem Urknall erschaffen und damit ursächlich im Sinne eines ersten Schrittes determiniert wurde.
        (Ich hoffe, ich habe jetzt nicht irgendwo einen logischen Denkfehler drin. Wenn doch, bitte sagen.)
        Und damit stimme ich mit Dir mit Brecht überein. 😉
        👍🙏🤗

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      5. Lieber Ankordanz
        ein sehr interessanter Gedankenaustausch. Wir sind klar davon überzeugt, dass NICHTS vergessen wird! Auch wenn wir uns jetzt noch mit alldem nicht so befasst haben, wie du, erscheint uns der Gedanke alles vergessen zu können und dann bar aller Beschränkung neue Möglichkeiten zu haben irgendwie absurd. Ich weiß jetzt nicht wer sagte, dass wir auf den Schultern von Riesen stehen (unseren Ahnen) und daher weiter sehen. Jede neue Erkenntnis im heute ist nur deshalb zu erfahren, weil es all dieses Vorwissen gibt. Wenn also Vergessen neue Möglichkeiten bergen könnte, müsste darin ja auch eine Rückentwicklung verbunden sein. Bis wann wird vergessen? Wie selektiv wird vergessen? Wenn aber eine Auswahl dessen erfolgt, was wir vergessen ist darin keine große Möglichkeit mehr eingeschrieben, sondern bloß Manipulation des Erfahrenen und der Geschichte.
        Einschränkungen als Entwicklungsschritt loszulassen, nachdem sie bewusst wurden, eröffnet Möglichkeitsräume. Das ist aber das Gegenteil von Vergessen, es ist ein bewusstes damit arbeiten was war und überwinden von Grenzen, weil ich sie kenne. Vergessen würde implizieren, dass ich auch Grenzen vergesse und den Kopf quasi immer an denselben Hindernissen stoße ohne weiterzukommen.
        Alles Liebe
        „Benita“

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      6. Ich stimme Euch zu. Vergessen ist keine wirkliche Option, um sich weiterentwickeln zu können. Denn, wie Ihr richtig schreibt, gingen auch die neu gewonnenen Möglichkeiten verloren. (Wie die Bergziege, die zwar nicht mehr weiß, wie sie das Laufen gelernt hat, aber das Laufen an sich kann sie erinnern – ab dem Moment ihrer Geburt. Das Erinnern erfolgt nur auf einer anderen Ebene.)
        „Einschränkungen als Entwicklungsschritt loszulassen, nachdem sie bewusst wurden, eröffnet Möglichkeitsräume.“ Genau darüber erfolgt die eigentliche Entwicklung, auch in meiner Vorstellung. Manchmal mag es aussehen wie ein „Rückschritt“ oder ein Vergessen, aber nur weil man die Sicherheit der einzelnen „Zwischenstufen“ nicht mehr braucht, heißt das nicht, dass man die Sicherheit nicht mehr hat…
        👍💚🤗

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      7. Lernen ist ein langwieriger Prozess? Das kann ich als Pädagoge so nicht stehen lassen. Natürlich, wenn wir das klassische Schullernen oder das Lernen von Verhaltensweisen anschauen, dann stimme ich dem zu. Aber Lernen erfolgt auf ganz vielfältige Weise. So kann auch und sogar besonders nachhaltig über Spielen gelernt werden. Ich finde es betrüblich, dass das Wort Spielen im Zusammenhang mit Lernen so eine negative Konnotation hat, wo doch Spiele eine der nachhaltigsten Lernformen ist.
        Bezüglich der Vorgaben glaube ich ja, ist unsere Wissenschaft auf einem echten Holzweg. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass unser Gehirn tatsächlich in der Lage wäre, Erinnerungen oder gar ganze Lernprozesse ja sogar ganze Bewegungsabfolgen zu speichern. Die Vorstellung, dass ein elektrischer Impuls im Gehirn, in irgendeiner Form biochemisch so abgebildet werden kann, dass er später bewusst oder unbewusst wieder abrufbar ist, kann ich nicht teilen. Da folge ich eher der Theorie, dass Informationen als Energie im Äther vorhanden sind und unser Gehirn in der Lage ist, die Informationen, die wir selbst dort hinterlegt haben, auch zum Teil wieder abzurufen. So könnte man auch erklären, dass manche Ideen plötzlich zeitnah von verschiedenen Menschen gedacht worden sind bzw. werden, oder dass Menschen zeitgleich den gleichen Gedanken haben, weil sich die Informationen überlagern oder plötzlich auch nicht eigene Informationen erfassbar sind. Das würde auch erklären, woher die Bergziege, selbst wenn sie keine Kletterstunde bei den Eltern genossen hat, weiß, wie sie zu klettern hat. Kann eine solch komplexe Information tatsächlich in der chemischen Struktur von Eisweiß gespeichert werden? Ich glaube folglich auch, dass nichts vergessen wird, sondern nur, dass uns der Zugang zu den Informationen fehlt, die aber um uns herum existieren. Ich glaube nicht an einen Gott, im Sinne eines Schöpfers oder eines allmächtigen Lenkers, aber an die Verbundenheit von allem mit allem glaube ich schon. Schade, dass diese Verbundenheit fehlt und viele Menschen die durchaus fragwürdigen Alltagsmasken mit hohem Plastikanteil achtlos in die Natur werfen ohne zu merken, wie sehr sie sich damit selber schaden.
        Aber auch wenn ich glaube, dass nichts vergessen wird, so kann ich nicht glauben, dass bereits alles determiniert ist. Aber das liegt vielleicht an meinem verstandesmäßig eingeschränkten Verständnis von Zeit. Denn wenn Zeit nicht linear ist und es folglich keinen Unterschied zwischen heute, morgen und gestern gibt, dann ist vielleicht mehr determiniert oder gar mehr noch offen und unbestimmt, als ich es vermutlich jemals erfassen kann.

        Gibt es also doch ein Gesamtbewusstsein, von dem wir selbst nur ein Teil davon sind. Das Ganze war und ist ja schon immer mehr als die Summe seiner Teile.
        Viele Grüße
        Christian 😊👋👍💡

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      8. Ich meine nicht das Lernen von Kulturgut und „Gesellschaftsfähigkeiten“. Ich meine das Lernen, das Werte verändert, das Narrative umschreibt, das Mythen einen neuen Sinn und Inhalt gibt. Dieses Lernen braucht Jahrzehnte, nicht selten mehrere Generationen, weil es nur mit größeren Teilen einer Gesellschaft geht. Ein einzelner kann diese Lernschritte zwar auch vollziehen, aber sie werden zusammen mit ihm wieder verschwinden. Außer er schafft es, eine Welle loszutreten, die garnicht seine ist, sondern sich in der Zeit und der Gesellschaft sowieso angebahnt hat.
        Dieses Lernen ist sehr langwierig. Aber in gewissem Sinne muss ich Dir auch recht geben: Man könnte fragen, ob das noch Lernen ist, oder einfach nur Entwicklung.
        Was das „Vergessen“ betrifft: Das Kausalitäten widerspricht dem absoluten vergessen. Wir können uns nur nicht erinnern, oder mit der Begrenztheit unserer Wahrnehmung nicht die tatsächlichen Ursachen der Wirkung, die wir als aktuelle Realität wahrnehmen, erkennen.
        Wie gesagt, ich vermute: Erst wenn wir daß Kausalitätsprinzip loslassen können, können wir einen wirklichen Blick auf das erhaschen, was „die Welt im innersten zusammenhält“.
        😉👍🤗

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      9. Aber warum denken wir so kausal? Einfach nur, weil unser Organismus darauf trainiert ist Energie zu sparen und deshalb versucht, sich den Denkprozess so einfach wie möglich zu machen? Das wäre eine traurige Erkenntnis, wenn uns die Effizienz am effizienten Denken hindert. Aber auch hier wirkt das Narrativ. Wir haben in Europa offensichtlich über Generationen eine Geschichte der Kausalität aufgebaut. Wir können nichts ohne einen Grund, ohne eine Ursache, und was noch schlimmer ist auch nicht ohne einen Schuldigen, einfach nur geschehen lassen. In unserem Narrativ kommt so etwas wie Ambiguität nicht vor. Wir können nicht einfach etwas nur sein lassen. Im Gegenteil: unser mechanistisches Weltbild versucht alles auf eine einzige Ursache zu reduzieren, damit es nur Ursache und Wirkung, nur schwarz oder weiß gibt. Taschenlampe an, Taschenlampe aus.
        Doch wie könnte ein Prozess des Vergessens angestoßen werden, damit wir ein neues Narrativ erzählen können, welches die Komplexität der Welt nicht auf an oder aus reduziert?
        😊🙏👍😀

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