Rechtfertigungen

Wir wollen unsere Sehnsucht befriedigen
Alle unsere Ängste besiegen
Mit unseren Träumen fliegen
Und der schönsten Hoffnung erliegen

Dafür wollen wir alles im Leben nutzen
Aber bloß nicht unsere Flügel stutzen
Noch die letzten Krümel wegputzen
Und damit all die Anderen verdutzen

Glaube – unser aller höchstes Gut
Träger unserer Kraft, Funke jeder Glut
Ursprung von Verzweiflung und Mut
Potential für der Heerscharen Flut

Er schenkt uns jede Möglichkeit
Mahnt uns auch zur Bescheidenheit
Erklärt uns Recht und Gerechtigkeit
Und berechtigt zur Gleichgültigkeit

Tradition – Wert all dessen, was Vergangen
Gibt uns Sicherheit in allen Belangen
Hält uns sicher in Gewohnheit gefangen
Womit auch manche Vorfahren schon rangen

Weitergegeben vom Vater zum Sohn
Das eigene Leben: der gerechte Lohn
Für die Gemeinschaft der Fron
Wer anders, den traf und trifft der Hohn

Individualismus – Hoffnung der Zukunft
Feind jeder eingesessenen Zunft
Bis alles auf den Einzelnen schrumpft
Und jeder allein ist in seiner Unterkunft

Am Ende ein jeder getrennt kommuniziert
Mit Technik und sich selbst – bis die Seele friert
Bis das Ich den Kontakt zum Du verliert
Während es mehr und immer mehr probiert

All dies hat seinen Sinn im großen Geflecht
All dies schafft und gibt sein Recht
Doch es teilt und trennt ein jedes Geschlecht
Wenn wir vergessen: Leben ist nicht in diesem Sinne gerecht

So geben wir unser Herz und unser letztes Hemd
Kämpfen um jeden Fortschritt völlig enthemmt
Fühlen, daß ohne unsere Seele verbrennt
Und sich das Leben gegen alle Widrigkeiten stemmt

Doch der Glaube ist menschengemacht
Die Tradition in Stoffen vernäht und getragen als Tracht
Die große Freiheit hat verloren ihre wertvolle Fracht
Was bleibt wirklich dem Menschen als Pracht?

Denn möchte ich ein Mensch sein
Muss ich als erstes menschlich sein
Dann passen Furcht und Fehler genauso rein
Wie die Hoffnung auf einen Heiligenschein

Niemand ist was Besseres
Ein jeder kennt an sich was Schlechteres
So kann ich versuchen zu sagen etwas netteres
Und Moos pflanzen auf dem Weg der Bitternis

Ich kann versuchen, meinen Fehler zurück zu nehmen
Mit einem netten Wort auf meinen Nachbarn zu zugehen
Im Kampf mit dem Schicksal gemeinsam stehen
Und nicht nur um mein eigenes kleines Glück Gott anflehen

Wenn wir alle Menschen sind
Dürfen alle lachen und weinen wie ein Kind
Versöhnen müssen wir uns nicht blind
Doch am Ende müssen wir gemeinsam finden, wer wir sind

 

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