Würde

Wann ist endlich Schluss?
Wann ist das Glas geleert zur Gänze?
Wann ist vorbei das Muss?
Wann ist erreicht die letzte Grenze?

Wenn das Leben wird zur Qual
Wenn die Hoffnung der Sehnsucht weicht
Wenn selbst die Lust wird fahl
Und der Wille seine Segel streicht

Dann geht es um Respekt und Würde
Alles Materielle verliert seinen Wert
Dann zeigt sich die eigene Bürde
Was habe ich anderen beschert?

Die, die lange schon vor mir gingen
Habe ich sie respektvoll geachtet?
Die, die mein Lied nun sollen singen
Habe ich sie gütig betrachtet?

Kann ich vor mir selbst bestehen
Wenn es um meine Achtung geht?
Kann ich all die Anderen verstehen
Wenn es um meine Betrachtung geht?

Wieviele habe ich erniedrigt
Nur um selber groß zu sein?
Wieviele habe ich gepeinigt
Nur um zu sitzen im Lichte Schein?

Doch Sonne ist nun nichts mehr Wert
Des Lebens Schönheit ist mir fahl
Es gibt nichts mehr, was mich begehrt
Der Liebe Schopf ist nun kahl

Wieviele Feinde werden da sein
Zu erhalten meine Würde?
Wieviele Freunde werden rar sein
Zu tragen meine letzte Bürde?

All jene, die ich verschreckt
Sehen mich nur mit Schrecken
All jene sind jetzt versteckt
Können endlich ihre Wunden lecken

Soweit habe ich es scheinbar gebracht
Wem habe ich meine Liebe geschenkt?
Gespielt habe ich mit Geld und Macht
Und wieviel habe ich davon verschenkt?

Mit warmer Hand soll man geben
Doch wie geht das zusammen?
Mit kaltem Gesicht hab ich genommen
Mit harter Hand hielt ich zusammen

Doch was ich genommen
Wärmt kein kaltes Herz
Nichts mehr werd‘ ich bekommen
So fühle ich auch keinen Schmerz

Wenn ich gehe, geh‘ ich allein
Niemand soll noch dafür leiden
So bin ich bald doch daheim
So werde ich doch bescheiden

 

12 Kommentare zu „Würde“

  1. Sei nicht so hart mit dir Andoranz.
    Du hast wie jeder andere manches richtig gemacht, und auch manches falsch gemacht . Stell dir dein Leben doch einfach mal in Farben vor. Alles in allem dürfte es in warmen Farben getaucht sein.❣So habe ich dich wenigstens wahrgenommen ❣
    Alles Liebe zu dir und stell dich wieder in die Sonne 😊💞

    Gefällt 3 Personen

    1. Bitte verzeih, daß ich erst jetzt antworte. Meine Gesundheit hat mir da erstmal einen Strich durch die Rechnung gemacht…
      Vielen Dank für Deine lieben Worte. Aber bei wem, wenn nicht bei mir selbst soll ich anfangen, wenn ich etwas ändern möchte? Der Breitrag ist eine Bestandsaufnahme mehrerer Leben meiner Familie. Und wie Du richtig sagtest: Manches war gut und manches weniger. Und so versuche ich daraus zu lernen…
      Viele liebe Grüße
      🙏💚🤗

      Gefällt mir

  2. „Schau immer nach vorne und nicht zurück, denn das was gewesen ist bringt dir kein Glück“ lernte ich bereits in meiner Jugend und ist ja auch so. Die Vergangenheit kann man nicht ändern, aber man kann daraus lernen und es künftig besser machen, ohne sich selbst dafür kasteien zu müssen.
    Liebe Grüße von Hanne 🌻🍀

    Gefällt 1 Person

    1. Wenn, dann ist das Problem das „müssen“. Wir müssen vieles, was uns nicht bewusst ist – das merke ich immer am deutlichsten, wenn das „müssen“ sich durchsetzt, obwohl ich etwas ganz anderes möchte. Dann wird das „müssen“ zum kasteien. Sonst wäre es einfach nur leben. Deshalb suche ich oft nach genau solchem „müssen“. Denn: Gehe ich freiwillig in eine Situation, kann ich sie auch wieder verlassen – und nichts kann mich zwingen zu bleiben (außer es gibt doch noch ein „müssen“).
      🙏💚🤗

      Gefällt 2 Personen

      1. Früher sagten meine Kollegen immer zu mir wenn ich Stress hatte „nichts muss man, außer sterben“. Womit sie gar nicht zu Unrecht hatten.
        Liebe Grüße und eine stressfreie Zeit wünsche ich dir. 🌻💖

        Gefällt 1 Person

  3. Lieber Ankordanz,
    Wir können hier kein „gefällt mir“ geben, zu düster ist das Geschriebene.
    Aber wir haben gelesen und mitgefühlt. Möge die Freude wieder kommen. Lernen aus den eigenen Fehlern ist wichtig. Dieses fehlerhafte Selbst dennoch mit Güte betrachten wie es sich stolpernd vorwärts wagt, das ist ein mitunter schwieriger Weg den es zu erkunden lohnt, denke ich.
    Ganz viel Kraft und Liebe für dich. 🍀🍀🍀🧡🌻🏵️
    „Benita“

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    1. Liebe Benita,
      habt ganz vielen lieben Dank für Eure Worte.
      Trotz oder vielleicht gerade wegen des „kein gefällt mir“ verneige ich mich tief vor Eurer Anerkennung.
      Dieses fehlerhafte Selbst, welches diese düstere Seite in meinem Leben repräsentiert zeigt sich in vielen meiner Beiträge – nur selten in solcher Deutlichkeit. Einige weitere Gedichte dieser Couleur sind zwar in meinem Fundus (unter Inhalte/Gedichte/…), erscheinen aus diesem Grund aber nie im fortschreitenden Blog. Sie ermöglichen mir einen Teil meiner selbst wahrzunehmen, der auch Teil dieser Welt ist – auch wenn er uns alle eher erschreckt und verstört als uns zu erfreuen. Aber dieser Teil, diese Couleur ist es auch, welche die wahre Schönheit als das erscheinen lässt, was sie ist: Das erhebende der Seele, das reinigende des Herzens und das letztlich klärende des Geistes.
      Es braucht kein „gefällt mir“. Es reicht die bloße kurze Beachtung, die Wahrnehmung – und das Werk ist vollendet in seiner unendlichen Polarität. Und wenn dies von einem Menschen kommt wie Euch, die Ihr die Abgründe des Lebens deutlich besser kennt als ich – der darin im Vergleich mit einem Strohhalm herumstochert – so empfinde ich Euren Kommentar als Ehre.
      🙏💚🌈

      Gefällt 1 Person

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